Lasst uns solche Geschichten nie vergessen ...

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pmelittam Avatar

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Die Journalistin Geraldine Oetken erfährt vor einigen Jahren von ihrer Urroßtante Frieda, die 1941 in einer Anstalt für Menschen mit Behinderung gestorben ist. Sie stellt sich die Frage nach dem Warum und beginnt zu recherchieren.

Da auch meine Familie betroffen ist, hat mich dieses Buch direkt angesprochen, obwohl ich ehrlich gesagt auch ein bisschen Bedenken hatte, es zu lesen, denn was mich da erwarten könnte, könnte sehr unschön sein. Tatsächlich ist das Buch keine Biografie der Urgroßtante, wie man vielleicht hätte erwarten können sondern eine Erzählung über die Recherchen, die die Autorin betrieben hat. Frieda bekommt am Ende trotzdem ein Gesicht, wenn auch ein bisschen anders als erwartet.

Die Recherchen stellten sich nämlich als gar nicht einfach heraus, es gibt nur wenige Dokumente über sie während ihrer Zeit im Kloster Blankenburg, das schon lange kein Kloster mehr war, wohin sie 1939 im Alter von 57 Jahren gebracht wurde. Geraldine Oetken musste mehrfach ihre Recherchen ändern, sie auch auf andere damalige Bewohner:innen ausweiten, um vielleicht in ihren Akten Spuren von Frieda zu finden, schließlich auch auf Friedas Leben vor dem Aufenthalt in der Anstalt und damit einhergehend den Fokus auf ihre Familie legen.

Geraldine Oetken beschreibt dabei auch immer ihre Gefühle, Gedanken, Emotionen, das mag das Ganze manchmal etwas langatmig machen, aber auch authentisch. Ich selbst habe beim Lesen auch Emotionen aufgebaut, für Frieda, für die anderen Betroffenen, aber auch für meine eigenen Verwandten, die unter den Nationalsozialisten leiden mussten. Ich wusste natürlich schon vorher von den Verbrechen, die damals an psychisch Kranken und behinderten Menschen verübt wurden, aber hier bekommen Opfer ein Gesicht, werden greifbarer. Sogar im wahrsten Sinne des Wortes denn am Ende enthält das Buch die drei Fotos, die die Autorin im Text schon beschrieben hat. Frieda erhält so tatsächlich ein Gesicht und kommt einem dadurch noch ein Stück näher. Ich hatte mir während des Lesens gewünscht, die Fotos sehen zu können, und mich sehr gefreut, dass sie abgedruckt wurden.

Im Anhang gibt es außerdem weitere Hinweise zu den Recherchen und Quellen.

Geraldine Oetken macht, auch wenn sie wenige tatsächliche Spuren finden konnte, ihre Urgroßtante Frieda Helms mit diesem Buch greifbar und zeigt gleichzeitig die Unmenschlichkeit des Umgehens der Nationalsozialisten mit Menschen, die sich kaum wehren konnten. Das macht betroffen. Man kann nur hoffen, dass solche Zeiten nie wiederkehren. Das Lesen des Buches ist vielleicht, in mehrfacher Hinsicht, nicht immer einfach, aber, wie ich finde, lohnend.