Spannend, emotional & sehr tiefgründig

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
maraangel2107 Avatar

Von

Ein sehr zart gehaltenes Cover, welches eine tiefe Sehnsucht aufzeigt, sowie eine angedeutete Freiheit, durch das halb einzusehende Fenster. Man fühlt förmlich eine Traurigkeit, eine Bitte, dieses Buch zu lesen, auch wenn sich das gerade möglicherweise seltsam anhört.

Ich bin eingetaucht in eine tiefe Verbundenheit, eine Verbundenheit von Geraldine Oetken zu ihrer Urgroßtante, die vergessen zu sein scheint, sowie in der Familie verschwiegen. Eine Neugier brachte mich dazu immer weiter zu lesen, über die grausame NS-Diktatur, Hitlers Nazi-Regime, die zu allem fähig waren. Es war nicht immer leicht diese zu Papier gebrachten Zeilen zu verinnerlichen und teilweise von Rücksichtlosigkeit kaum zu überbieten. Die Autorin macht sich auf die Suche, Frieda, so der Name ihrer Urgroßtante, den Status in ihrer Familie zu geben, den sie verdient hat. Eine sehr umfangreiche Suche, die wir als Leser sehr flüssig und mit leichtem Schreibstil, erzählt bekommen. Und so kam es mir vor, als wenn die Autorin vor mir sitzt und erzählt. Sie beschreibt alles so bildhaft und detailgetreu, das ich ein Gefühl davon hatte, selbst auf der Suche zu sein, nach einem Menschen, der fremd und doch sehr nah zu sein scheint.

Wie aufwändig solch eine Suche ist wird dem Leser hier bis in kleinste Detail dargelegt, welche Bürden Geraldine auferlegt bekommt, manches Mal deprimiert ist und doch aufgeben für sie keine Option ist.

Dieses Buch regt sehr zum nachdenken an, über die frühere Zeit, über das Verhalten der Menschen, die Bestimmung über andere Menschen und den Druck & die Respektlosigkeit & Unmenschlichkeit. Es ist keine leichte Lektüre, doch wir dürfen so vieles aus der NS-Zeit lernen und erfahren, wie es kaum jemand bisher so zu Papier bringen konnte. Zumindest nicht so achtsam, so sanft und so mitfühlend.

Wir lernen nach und nach zwei wichtige Personen aus einer Familie kennen und wertschätzen. Geraldine, die empathisch und sehr authentisch zu sein scheint, die Frieda Wertschätzung entgegen bringt und ihr Leid aufzeigt, auch wenn es heute nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Doch ein Mensch wird hier gewürdigt, wenn auch viele Jahrzehnte später, so bin ich sicher, war es auch ein verarbeiten von einem fehlenden Puzzleteil im eigenen Inneren.

Wir begleiten Frieda von Kind an, über Teenager bis hin ins Älter werden, in den Tod, der sicherlich nicht von Natürlicher Art gewesen sein mag. Die Autorin beschreibt diese mit einer Feinfühligkeit und liebevollen Art, dass man ein Gefühl davon bekommt, wie tief sie sich mit ihrer Urgroßtante verbunden fühlt, auch wenn sie ihr niemals begegnet ist. Ich bin sicher, diese wäre sehr stolz Geraldine so leben zu sehen und wer weiß, ob nicht irgendwo, irgendwie ein Licht die Beiden zusammen führen mag.

Diese Geschichte verbindet Tragik, Liebe, Verbundenheit & Wertschätzung sehr tief miteinander, und Geraldine versucht alles möglich zu machen, investiert Zeit für Recherche, die ihr oftmals Steine in den Weg legen, da Frieda nicht mehr allgegenwärtig zu sein scheint. Und doch bekommt sie ihre Geschichte, ihr Leben mit vielen Details, da sie hartnäckig ist und zu keiner Zeit aufgibt.

5 von 5 Sternen hier unbedingt vergeben, da ich ein Herzblut spüre, Liebe, die tiefer geht, als es scheinen mag. Eine Achtsamkeit im Zusammenspiel mit Recherche und Aufdeckung, eine Familiengeschichte mit Happy End, irgendwie. Sehr authentische Fotos im hinteren Teil geben uns ein Bild zu der Person, die ein so leidvolles Leben hinter sich bringen musste. Ein schöner Abschluss für dieses Buch, sowie ebenso die Integration in ihre eigene Familie durch erzählen von Frieda. So wird sie durch dieses Buch wieder lebendig.
Eine klare Empfehlung für Interessierte, die möglicherweise selbst solch eine Geschichte inne haben und für jeden, der Biographien liebt.