Über "unwertes Leben" im Nationalsozialismus

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lielo99 Avatar

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Geraldine Oetken ist erstaunt. Welcher Name ist das, der mit auf dem Grabstein ihres Großvaters steht? Warum hat sie von dieser Person vorher noch nie etwas gehört und warum wurde innerhalb der Familie nie über sie gesprochen? Sie erfährt, dass es sich um ihre Urgroßtante Frieda handelt, die im Kloster Blankenburg untergebracht war und dort auch verstarb. Sie will nicht akzeptieren, dass Friedas Geschick verheimlicht wurde und begibt sich auf Spurensuche.

Frau Oetken schreibt über viele Stunden der Recherche. Über Erfolge und Misserfolge. Gut, dass es mittlerweile Zugang zu Unterlagen gibt, die bis vor wenigen Jahren noch verschlossen waren. Einige Fragen wurden beantwortet, wiederum andere werden es wohl nie. Neben der Suche nach Unterlagen über Frieda schreibt Frau Oetken, wie Menschen mit Behinderungen von den Nationalsozialisten behandelt wurden. Das reichte von Versuchen mit neuen Medikamenten, über Tod durch Spritzen oder durch Verhungern.

Mittlerweile ist allgemein bekannt, dass die Ausrede, nichts von den Machenschaften der Nationalsozialisten gewusst zu haben, nicht stimmt. Das gilt auch für die Unterbringung Behinderter in Heimen und Anstalten. Einzig der Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen traute sich, den Mund aufzumachen. Danach war für kurze Zeit die „Vernichtung unwerten Lebens“ eingestellt. Hätten alle Wissenden so gehandelt, wie viel Leid wäre den Betroffenen wohl erspart geblieben?

Das Thema ist nicht einfach und für Angehörige, die mit der Thematik befasst sind, gibt es etliche Punkte, die verstören können. Um so wichtiger ist es, dass solche Bücher von vielen Menschen gelesen werden. Wir alle müssen darauf achten, dass Parteien in deren Programmen von „unwertem Leben“ die Rede ist, niemals Regierungsverantwortung übernehmen dürfen. Nicht einfach zu lesen aber durchaus zu empfehlen.