Verschenktes Potenzial bei einem bedrückend wichtigen Thema

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aschaeff Avatar

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"Frieda" von Geraldine Oetken widmet sich mit den Euthanasie-Verbrechen und Hungermorden der NS-Zeit einem unheimlich wichtigen Thema, das unbedingt mehr Aufmerksamkeit und Aufarbeitung verdient. Positiv hervorheben möchte ich dabei direkt, wie beeindruckend und beharrlich sich die Autorin auf die Spurensuche nach ihrer Urgroßtante Frieda begeben hat - auch wenn die tatsächlichen historischen Erkenntnisse am Ende leider aufgrund der unzureichenden historischen Dokumentation recht überschaubar blieben.

Dennoch bleibt die Umsetzung der Geschichte insgesamt weit hinter ihrem eigentlichen Potenzial zurück. Die Erzählweise empfand ich als sehr sprunghaft und weitschweifig. Mir fehlte streckenweise einfach der rote Faden.
Statt der im Klappentext angekündigten historischen Aufarbeitung dominieren persönliche Ideen, Mutmaßungen und die aktuelle politische Weltanschauung der Autorin den Text. Themen wie die Asylpolitik der 90er Jahre, Mutterschaft oder das Hadern mit den eigenen Privilegien (das Aufwachsen in einer reichen Familie) drängen sich für mein Empfinden so stark in den Vordergrund, dass das eigentliche Kernthema immer wieder aus dem Fokus gerät.
Zudem fehlte mir am Ende des Buches auch ein wie auch immer geartetes Fazit, das die vielen angerissenen, persönlichen Stränge zu einem runden Abschluss gebracht hätte.

Trotz dieser deutlichen Schwächen in der Umsetzung ist es ein Buch, das ein immens wichtiges Stück Zeitgeschichte aufgreift. Für mich war die Lektüre daher vor allem ein wertvoller Anstoß, mich nun eigenständig tiefergehend mit der Materie zu befassen und mir dazu entsprechende Literatur zu besorgen.