Gefährliche Seelenjagd in den Fjorden

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Ein abgelegenes Institut in der rauen Wildnis Norwegens, streng reglementierte Schweigephasen und ein selbsternannter Guru mit durchdringendem Blick: Dieser Psychothriller zieht von der ersten Seite an eine beklemmende Atmosphäre auf. Die Protagonistin Helene reist als Hamburger Anwältin getarnt in das sogenannte Frøhland-Institut, um die wahren Umstände des angeblichen Suizids ihres Bruders Jan aufzuklären. Was nach außen wie eine exklusive Oase für Achtsamkeit und Trauma-Heilung wirkt, entpuppt sich schnell als manipulatives Psycho-Gefängnis ohne Handyempfang.

Erzählerisch versteht es der Roman hervorragend, die wachsende Paranoia greifbar zu machen: Der charismatische Institutsleiter Ando Frøhland – ein Mann mit schmutziger Vorgeschichte und Hang zur seelischen Grenzüberschreitung – seziert die unbewussten Schwachstellen seiner Schützlinge mit beunruhigender Präzision. Als Helene nachts an der Kette des vermeintlich taubstummen Gehilfen Ørnulv den markanten Schlüsselanhänger ihres Bruders entdeckt, kippt der Verdacht endgültig: Hat Jan sich wirklich am Preikestolen in die Tiefe gestürzt, oder wurde er im Umfeld des Instituts aus dem Weg geräumt? Auch das Ensemble der weiteren Seminarteilnehmer – von der herrlich bissigen Skeptikerin Judith über den gehemmten Ex-Lehrer Jørgen bis hin zum undurchsichtigen Neuzugang Leo – sorgt für ständige Dynamik und Misstrauen untereinander.

Die Kulisse aus eisigen Bergseen, dunklen Kiefernwäldern und kargen Felswänden fängt die skandinavische Einsamkeit atmosphärisch dicht ein. Ein Wermutstropfen findet sich allerdings im Impressum: Dass der Verlag das Covermotiv unter Einsatz von generativer KI hat erstellen lassen, dämpft den Gesamteindruck einer ansonsten so auf menschliche Abgründe fokussierten Spannungsgeschichte merklich. Zudem bedient Frøhlands Auftreten viele altbekannte Sekten-Klischees (Leinenkleidung, Guru-Posen, Trance-Runden), was streckenweise etwas vorhersehbar wirkt.

Dennoch hält die Leseprobe den Spannungsbogen durchgehend straff und wirft gekonnt Fährten aus, die sofort neugierig auf das Geheimnis des verbotenen Nordufers machen.

Ich möchte das Buch auf jeden Fall ganz lesen, weil ich unbedingt wissen will, was mit Jan am Ufer dieses dunklen Sees wirklich geschehen ist und welches Spiel die Figuren im Hintergrund treiben.