Künstlerische Suche nach dem Wesen des Weiblichen
Vier Frauen um die Dreißig, alle im Kunst-/Kulturbereich tätig, treffen sich zu einem Junggesellinnenabschied für fünf Tage auf einer griechischen Insel. Sie wohnen in der Villa des Vaters einer der Frauen, eines reichen Kunstsammlers und Galeristen, an einem Hang oberhalb einer idyllischen Badebucht. Nur diese fünf Tage haben sie für sich, dann werden ihre Partner kommen. Gleich zu Beginn wird klar, dass die Frauen sehr unterschiedlich sind und keineswegs alle einander schätzen. Zudem sind sie in einem kritischen Alter, in dem viele Fragen immer drängender werden, z.B. nach Kinderwunsch, Erfüllung in der Partnerschaft und beruflicher Entwicklung. Das lässt eine gewisse Spannung erwarten, zumal die Ich-Erzählerin, eine erfolglose Malerin auf der Suche nach ihrem Thema und ihrem Stil, schon auf den ersten Seiten Bezüge herstellt zu Künstlerinnen, die sich sehr jung umgebracht hatten und deren Werk erst posthum gewürdigt wurde. Der Schreibstil ist angenehm, die Stimmung beginnt zu knistern, aber in der Folge plätschert die Story etwas seicht vor sich hin. Erst im weiteren Verlauf verdichtet sich die Spannung, als sich die Erzählerin in eine heftige Liebesaffäre mit nie zuvor erlebter Intensität des sexuellen Begehrens stürzt, die ihr Leben aus der Bahn wirft. Gleichzeitig gewinnen die in die Erzählung eingestreuten Kunstbetrachtungen an Bedeutung, sehr persönliche Auseinandersetzungen der Protagonistin mit den Werken von Künstlerinnen, die sich der Darstellung des weiblichen Körpers aus weiblicher Sicht widmeten, häufig als Selbstportraits in schonungsloser Offenheit. Diese aufwühlenden Betrachtungen sprengen den zeitlichen Rahmen der Erzählung, sind teilweise Jahrzehnte später entstanden und deuten immer wieder den weiteren Verlauf ihres Lebens an. So entsteht eine Vielschichtigkeit, die dem Roman Tiefe verleiht und über die zunächst recht banale Rückblende auf jene fünf Tage im Licht weit hinausgeht. Ich hätte mir dennoch eine straffere Erzählweise gewünscht. Vor allem aber hätte ich mir gewünscht, dass die Kunstwerke, die der Erzählerin so viel bedeuten, im Buch abgebildet würden, und sei es auch nur in Briefmarkengröße, vielleicht im Anhang und mit Nennung einer Fundstelle im Internet. Mir hätte das die Lektüre sehr erleichtert, denn all die Werke im Internet zu suchen ist für Laien eine Zumutung.