Kunst, Feminismus und Betrug
Die vier britischen jungen Frauen Sophie, Helena, Alessia und Iris verbringen gemeinsam fünf Tage auf einer wunderschönen Insel in Griechenland, um Helenas Junggesellinnenabschied zu feiern. Nach diesen Tagen ist geplant, dass die jeweiligen Partner nachkommen.
Der Roman ist aus der Perspektive von Sophie geschildert. Sophie träumt davon, Künstlerin zu sein, hat auch einen Bachelor in diesem Bereich gemacht, doch bis jetzt hat es damit noch nicht so recht geklappt und auch mit Anfang 30 arbeitet sie noch unterbezahlt und perspektivenlos als Verkäuferin in einem Museumsshop, während ihr Partner Greg als Kurator Karriere macht. Greg wünscht sich Kinder und das Thema steht zwischen ihnen, denn Sophie hat sich mit vielen Biografien von Künstlerinnen beschäftigt und fürchtet, eine Mutterschaft würde ihren Traum von einer künstlerischen Laufbahn stark einschränken oder sogar zerstören. Sie ist sehr feministisch eingestellt und wartet auf subtile Signale von Greg, dass er sie als Künstlerin voll und ganz anerkennen und in dieser Hinsicht mehr unterstützen würde, doch die kommen nicht so wirklich. Greg hingegen fühlt sich mit seinem Kinderwunsch ungesehen.
Eine weitere Schwierigkeit für Sophie ist, dass sie aus einer wenig privilegierten Familie stammt und eine nach einem Unfall schwer beeinträchtigte Schwester hat. Der Vater ist Alleinverdiener, die Mutter kümmert sich aufopferungsvoll um die Schwester, die wohl ihr Leben lang Betreuung brauchen wird und nach dem Tod der Eltern Sophies Verantwortung werden könnte. Noch ein Grund mehr, um nicht noch eine weitere Verpflichtung für eigene Kinder zu übernehmen. Zudem wird Sophie mit zunehmendem Alter auch immer klarer, was für enorme Privilegien mit Klasse, Status, Kontakten und Reichtum einhergehen und dass viele ihrer ehemaligen Studienkolleginnen auf der Kunstakademie aus der Oberschicht stammen und ihnen sich damit Türen öffnen, die ihr oft verschlossen bleiben. Auch die Freundinnen, mit denen sie nun auf der Insel feiert, sind überwiegend aus solchen Verhältnissen.
Sehr gut gefallen hat mir, wie vielschichtig und bewusst dieses Buch Themen von modernem Frau-Sein, Feminismus, Benachteiligung und Unsichtbarkeit von Frauen als Künstlerinnen, Mutterschaft vs. Berufung, Klasse und vieles mehr miteinander verwebt. Klug und authentisch zeigt die Autorin in vielen kleinen Szenen, wie diese Themen zu Distanz und Unverständnis zwischen den aus unterschiedlichen sozialen Verhältnissen stammenden Frauen, aber auch zwischen den Geschlechtern, führen können. Speziell die Beziehungen zwischen den vier Frauen, die zum Teil von Zuneigung und Respekt, zum Teil aber auch von Konkurrenz, Neid und Verrat geprägt sind, werden sehr authentisch und interessant dargestellt und bis zum Ende gibt es dabei so manche Überraschungen.
Am Ende jedes Kapitels finden sich außerdem noch Künstlerinnenbiografien aus der Sicht von Sophie, mit speziellem Fokus darauf, ob die Künstlerin auch Fehlgeburten, Schwangerschaften, Geburten, Kinder usw. hatte und ob und wie dies mit ihrer Laufbahn als Künstlerin interagiert hat. Dabei kann man viele spannende Künstlerinnen entdecken, über die es sich lohnt, parallel zur Lektüre noch weiter nachzurecherchieren. Deutlich wird dabei, wie stark der Blick auf Kunst über die Jahrtausende männlich geprägt war, wie sich das schön langsam ein bisschen ändert und was sich dabei Neues zeigt, sobald man den Blickwinkel ändert (z.B. ob wohl all die "Venus"-Figuren aus der Steinzeit tatsächlich nur von Männern geschaffen wurden oder vielleicht auch weibliche Selbstbildnisse waren?).
Wäre die Rezension hier zu Ende, dann würde ich mit klaren 5 Sternen für dieses interessante Buch schließen.
Allerdings gibt es noch einen weiteren Themenstrang, der in diesem Buch sehr viel Raum einnimmt und der mir weit weniger gut gefallen hat. Ich erwähne ihn, obwohl es ein Spoiler sein könnte - allerdings kein sehr schlimmer, denn auch dieser Themenstrang beginnt schon sehr früh: kaum auf der griechischen Insel angekommen, stürzt sich Sophie Hals über Kopf in eine hitzige Affäre mit einem ach so gut aussehenden, erotischen Griechen, Ky, der - der Klassiker! - als Kellner in der Taverne arbeitet, in der die Frauengruppe gerne einkehrt. Sie wirft alle Skrupel, so sie jemals ernsthaft welche hatte, über Bord, und betrügt ihren in ein paar Tagen nachkommenden langjährigen, treuen Partner leidenschaftlich, hemmungslos und auf eine Weise, dass auch alle anderen Frauen und wohl sonst noch viele Menschen das mitbekommen. Natürlich fühlt sie sich von Ky gesehen und verstanden wie noch nie und hat mit ihm den allerbesten Sex ihres Lebens. Selbst nach den fünf Tagen, als ihr Partner Greg da ist, kann sie die Finger nicht von Ky lassen, und nützt jede Gelegenheit für heimlichen Sex mit Ky, auf eine Art und Weise, die zutiefst demütigend für ihren Partner ist.
Diese Sexszenen sind auch ausführlichst geschildert, auf eine Art und Weise, die man fast schon pornographisch nennen könnte und die sich für interessierte Personen bestens als Vorlage zur Masturbation eignen würde. Wer solche Szenen in dieser Ausführlichkeit also nicht mag oder mit einer letztendlich recht unsympathischen Hauptfigur ohne jegliche moralische Prinzipien ein Problem hat, dem empfehle ich dieses Buch klar nicht.
Insgesamt ist es also ein Buch, das viele sehr interessante Aspekte in sich trägt, die differenziert dargestellt werden und zum Nachdenken und Nachrecherchieren anregen, das aber in meinen Augen durch die so schamlose, prinzipien- und empathielose, selbstbezogene Hauptfigur und vor allem durch die wiederholten detaillierten Darstellungen der Sexszenen an Niveau verliert. Ob das einen persönlich stört, hängt sicher auch viel mit der eigenen Wertsicht und den eigenen Wertvorstellungen zusammen. Ich ziehe dafür einen Stern ab und vergebe in Summe noch vier Sterne für ein interessantes, durchaus lesenswertes Buch.
Der Roman ist aus der Perspektive von Sophie geschildert. Sophie träumt davon, Künstlerin zu sein, hat auch einen Bachelor in diesem Bereich gemacht, doch bis jetzt hat es damit noch nicht so recht geklappt und auch mit Anfang 30 arbeitet sie noch unterbezahlt und perspektivenlos als Verkäuferin in einem Museumsshop, während ihr Partner Greg als Kurator Karriere macht. Greg wünscht sich Kinder und das Thema steht zwischen ihnen, denn Sophie hat sich mit vielen Biografien von Künstlerinnen beschäftigt und fürchtet, eine Mutterschaft würde ihren Traum von einer künstlerischen Laufbahn stark einschränken oder sogar zerstören. Sie ist sehr feministisch eingestellt und wartet auf subtile Signale von Greg, dass er sie als Künstlerin voll und ganz anerkennen und in dieser Hinsicht mehr unterstützen würde, doch die kommen nicht so wirklich. Greg hingegen fühlt sich mit seinem Kinderwunsch ungesehen.
Eine weitere Schwierigkeit für Sophie ist, dass sie aus einer wenig privilegierten Familie stammt und eine nach einem Unfall schwer beeinträchtigte Schwester hat. Der Vater ist Alleinverdiener, die Mutter kümmert sich aufopferungsvoll um die Schwester, die wohl ihr Leben lang Betreuung brauchen wird und nach dem Tod der Eltern Sophies Verantwortung werden könnte. Noch ein Grund mehr, um nicht noch eine weitere Verpflichtung für eigene Kinder zu übernehmen. Zudem wird Sophie mit zunehmendem Alter auch immer klarer, was für enorme Privilegien mit Klasse, Status, Kontakten und Reichtum einhergehen und dass viele ihrer ehemaligen Studienkolleginnen auf der Kunstakademie aus der Oberschicht stammen und ihnen sich damit Türen öffnen, die ihr oft verschlossen bleiben. Auch die Freundinnen, mit denen sie nun auf der Insel feiert, sind überwiegend aus solchen Verhältnissen.
Sehr gut gefallen hat mir, wie vielschichtig und bewusst dieses Buch Themen von modernem Frau-Sein, Feminismus, Benachteiligung und Unsichtbarkeit von Frauen als Künstlerinnen, Mutterschaft vs. Berufung, Klasse und vieles mehr miteinander verwebt. Klug und authentisch zeigt die Autorin in vielen kleinen Szenen, wie diese Themen zu Distanz und Unverständnis zwischen den aus unterschiedlichen sozialen Verhältnissen stammenden Frauen, aber auch zwischen den Geschlechtern, führen können. Speziell die Beziehungen zwischen den vier Frauen, die zum Teil von Zuneigung und Respekt, zum Teil aber auch von Konkurrenz, Neid und Verrat geprägt sind, werden sehr authentisch und interessant dargestellt und bis zum Ende gibt es dabei so manche Überraschungen.
Am Ende jedes Kapitels finden sich außerdem noch Künstlerinnenbiografien aus der Sicht von Sophie, mit speziellem Fokus darauf, ob die Künstlerin auch Fehlgeburten, Schwangerschaften, Geburten, Kinder usw. hatte und ob und wie dies mit ihrer Laufbahn als Künstlerin interagiert hat. Dabei kann man viele spannende Künstlerinnen entdecken, über die es sich lohnt, parallel zur Lektüre noch weiter nachzurecherchieren. Deutlich wird dabei, wie stark der Blick auf Kunst über die Jahrtausende männlich geprägt war, wie sich das schön langsam ein bisschen ändert und was sich dabei Neues zeigt, sobald man den Blickwinkel ändert (z.B. ob wohl all die "Venus"-Figuren aus der Steinzeit tatsächlich nur von Männern geschaffen wurden oder vielleicht auch weibliche Selbstbildnisse waren?).
Wäre die Rezension hier zu Ende, dann würde ich mit klaren 5 Sternen für dieses interessante Buch schließen.
Allerdings gibt es noch einen weiteren Themenstrang, der in diesem Buch sehr viel Raum einnimmt und der mir weit weniger gut gefallen hat. Ich erwähne ihn, obwohl es ein Spoiler sein könnte - allerdings kein sehr schlimmer, denn auch dieser Themenstrang beginnt schon sehr früh: kaum auf der griechischen Insel angekommen, stürzt sich Sophie Hals über Kopf in eine hitzige Affäre mit einem ach so gut aussehenden, erotischen Griechen, Ky, der - der Klassiker! - als Kellner in der Taverne arbeitet, in der die Frauengruppe gerne einkehrt. Sie wirft alle Skrupel, so sie jemals ernsthaft welche hatte, über Bord, und betrügt ihren in ein paar Tagen nachkommenden langjährigen, treuen Partner leidenschaftlich, hemmungslos und auf eine Weise, dass auch alle anderen Frauen und wohl sonst noch viele Menschen das mitbekommen. Natürlich fühlt sie sich von Ky gesehen und verstanden wie noch nie und hat mit ihm den allerbesten Sex ihres Lebens. Selbst nach den fünf Tagen, als ihr Partner Greg da ist, kann sie die Finger nicht von Ky lassen, und nützt jede Gelegenheit für heimlichen Sex mit Ky, auf eine Art und Weise, die zutiefst demütigend für ihren Partner ist.
Diese Sexszenen sind auch ausführlichst geschildert, auf eine Art und Weise, die man fast schon pornographisch nennen könnte und die sich für interessierte Personen bestens als Vorlage zur Masturbation eignen würde. Wer solche Szenen in dieser Ausführlichkeit also nicht mag oder mit einer letztendlich recht unsympathischen Hauptfigur ohne jegliche moralische Prinzipien ein Problem hat, dem empfehle ich dieses Buch klar nicht.
Insgesamt ist es also ein Buch, das viele sehr interessante Aspekte in sich trägt, die differenziert dargestellt werden und zum Nachdenken und Nachrecherchieren anregen, das aber in meinen Augen durch die so schamlose, prinzipien- und empathielose, selbstbezogene Hauptfigur und vor allem durch die wiederholten detaillierten Darstellungen der Sexszenen an Niveau verliert. Ob das einen persönlich stört, hängt sicher auch viel mit der eigenen Wertsicht und den eigenen Wertvorstellungen zusammen. Ich ziehe dafür einen Stern ab und vergebe in Summe noch vier Sterne für ein interessantes, durchaus lesenswertes Buch.