Kunstvoll, provokant und emotional tiefgehend

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Ich hatte anfangs keine allzu großen Erwartungen an Fünf Tage im Licht von Rhiannon Lucy Cosslett und rechnete eher mit einem leichten Sommerroman – bekommen habe ich jedoch einen überraschend tiefgründigen, intensiven und emotional fordernden Roman, der mich komplett in seinen Bann gezogen hat. Das Buch liest sich unglaublich flüssig, ich konnte es kaum aus der Hand legen und habe jede Seite genossen. Gleichzeitig ist es kein Roman, den man einfach nebenbei liest – er fordert, provoziert und hallt lange nach.

Im Mittelpunkt stehen weibliches Selbstbild, unerfüllter Kinderwunsch, Neid, komplizierte Freundschaften und die Frage, welche Beziehungen uns wirklich guttun – oder eben nicht. Besonders beeindruckt hat mich, wie schonungslos und ehrlich das Buch Themen wie Kinderwunsch, Mutterschaft, Sexualität und weibliche Identität behandelt, ohne dabei gefällig sein zu wollen.

Ein ganz besonderer Aspekt ist außerdem die Kunst, die einen wichtigen Teil des Romans einnimmt. Nach jedem Kapitel werden weibliche Selbstporträts und Gemälde auf faszinierende, fast radikale Weise beschrieben. Ich kannte viele der Werke vorher nicht und habe sie während des Lesens immer wieder gegoogelt, weil die Beschreibungen so lebendig und eindrucksvoll waren. Hier hätte ich mir tatsächlich gewünscht, dass einige der Bilder direkt im Buch abgedruckt wären.

Das Buch hat definitiv Spice, ist emotional intensiv und spricht nicht unbedingt sensibel oder vorsichtig über seine Themen – gerade deshalb wird es sicher nicht für jeden Leser passen. Mich hat dieser Roman jedoch tief beeindruckt und ich bin sicher, dass er mich noch lange begleiten.