Licht und Schatten

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wieselkatze Avatar

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Das Cover lässt die Hitze auf der griechischen Insel Sifnos erahnen: Ein Spiel mit Licht und Schatten. Nackte Frauenbeine, ein Fuß im türkisfarbenen Wasser, der Po auf dem geschwungenen Poolrand. Sonnenbrille, gefüllte Gläser, eine Zitrone sollen für Abkühlung sorgen.
Meine Ahnung bestätigt sich: All das kühlt die Gemüter nicht ab …

Bereits der Titel "Fünf Tage im Licht" entführt mich in exotische Gefilde, intensive Bilder, Gerüche, Erlebnisse, Emotionen. Rhiannon Lucy Cosslett erzählt eine sinnliche Geschichte.
Sie schlüpft die Perspektive der Malerin Sophie. Mit ihrem Schreibstil kommt sie ihrer Hauptfigur, aber auch den anderen Frauen zwar nahe, jedoch nicht so nahe, wie ich es mir wünsche. Irgendetwas fehlt, etwas, das die beschriebenen Emotionen stärker entfacht.

Vier junge Frauen, fünf Tage ohne ihre Partner, sie wünschen sich eine Auszeit. Es misslingt, keine von ihnen entspannt sich wirklich, ihre Zukunft und die Männer, die darin eine tragende Rolle spielen, sind in ihren Köpfen präsent. Jede von ihnen ist mit ihren Wünschen und Träumen allein, aber sowohl Sophie als auch Iris, Helena und Alessia ahnen, dass sich ihr Leben komplett ändern wird, sobald die Männer ihnen nachreisen und nach diesen zehn Tagen Urlaub sowieso.

Die ganze Zeit vermittelt die Autorin den Eindruck, dass keine von ihnen ist wirklich frei ist, noch nicht einmal die Malerin Sophie, die ihre Freundin Alessia nackt auf eine Leinwand bannt und auf der Insel eine Affäre mit einem Einheimischen hat. Sie hintergeht den Mann, der sie heiraten will. Gleichzeitig hat ihr Liebhaber ein pikantes Geheimnis.

Zwischen den Kapiteln erzählt Cosslett von der männlich dominierten Welt der Malerei, die Frauen nicht erlaubte, Akte zu malen. Sie beschreibt Künstlerinnen, die sich selbst in schonungsloser Weise als Akt portraitieren, die sich nicht nur von der Dominanz der Männer befreien wollen, sie wollen sich zeigen, wie sie sind, ohne Weichzeichner, sie wollen gesehen werden so wie nur Frauen Frauen sehen können und kein Mann dies vermag. Sie wollen authentisch leben. Sie fühlen sich in ihrer Kreativität von Männern und von der Mutterschaft ausgebremst. Alle haben die verzweifelte Dringlichkeit gemeinsam: Sie wollen unbedingt Kunst machen - trotz der hohen Ansprüche, die Alltag und Gesellschaft an sie stellen.

Sophie, Iris, Helena und Alessia ahnen, dass die Männer ihre Flügel beschneiden werden, davor fürchten sie sich und jede geht anders damit um.

Letztendlich geht Sophie als einzige keine Kompromisse ein.

Mit ihrem Roman stellt die Autorin die patriarchalische Gesellschaftsordnung in Frage, in der das weibliche Begehren zu Zerreißproben führt.