Schonungslos. Verstörend. Faszinierend.

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annnnnnna Avatar

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Zwischen den Frauen liegt etwas Unausgesprochenes. Kein vertrautes Band, das trägt, sondern feine Risse, die sich durch Gespräche, Blicke und Schweigen ziehen. Besonders Iris bleibt distanziert, fast kühl. Alessias großzügige Rolle als Gastgeberin kann diese unterschwellige Fremdheit nicht überdecken. Man hat das Gefühl, dass sie nur noch durch Helena zusammengehalten werden und selbst das wirkt fragil.

Und dann kippt es schneller, als man erwartet. Schon am zweiten Tag beginnt Sophie die Affäre mit Ky, dem Sohn eines Tavernenbesitzers. Kein langsames Hineingleiten, sondern ein abruptes Überschreiten von Grenzen. Impulsiv, suchend, fast trotzig. Zwischen ihnen entsteht eine Nähe, die sich nicht erklären lässt und gerade deshalb so gefährlich wirkt.

Als Greg auf die Insel kommt, verschiebt sich alles erneut. Er bringt Ruhe, Vertrautheit und vertritt seine klare Vorstellung von Zukunft. Er will eine Familie gründen. Sophie nicht. Für sie fühlt sich der Gedanke an Mutterschaft nicht nach Ankommen an, sondern nach Stillstand. Nach einem Leben, das sie festlegt, bevor sie sich selbst überhaupt gefunden hat. Der Wunsch, als Künstlerin leben zu können, mehr zu wollen, sich nicht festschreiben zu lassen, steht im ständigen Konflikt mit dem, was von ihr erwartet wird.

Die Spannung zieht sich durch das Buch wie die drückende Luft vor einem Sommergewitter. Von Anfang an liegt etwas in der Luft, das sich nicht mehr aufhalten lässt. Und dann entlädt es sich am letzten Abend. Plötzlich, heftig, unausweichlich.

Der Vergleich mit dem Buch „Der Papierpalast“ hat meine Erwartungen hoch gesetzt. Atmosphärisch reicht dieses Buch für mich nicht ganz an dessen Sog heran. Und doch entwickelt es eine ganz eigene Wucht. Keine leichte Sommerlektüre, kein Wohlfühlroman, sondern eine schonungslose Auseinandersetzung mit Identität, Selbstverwirklichung und den Entscheidungen, die alles verändern.

Ein Buch, das früh die Kontrolle verliert und genau daraus seine Kraft zieht. Selten hat mich eine Geschichte so überrascht. Ich habe es geliebt.