Sommer-Liebesgeschichte mit Tiefgang und starkem Kunst-Bezug

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ninao Avatar

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Ich schwanke zwischen 3 und 4 Sternen. "Fünf Tage im Licht" versetzt einen sofort in den Sommerurlaub nach Griechenland. Allerdings ist es keine banale Sommer-Strand-Lovestory, sondern die Geschichte hat durchaus Anspruch, es geht um Weiblichkeit, Muttersein, Klassismus und Freundschaft. Zentrales Thema ist aber die Wahrnehmung und Darstellung des weiblichen Körpers, sowohl aus männlicher, vor allem aber aus weiblicher Sicht. Hauptfigur ist Malerin Sophie, die mit ihren Freundinnen Urlaub auf einer griechischen Insel macht und sich auf eine heftige Affäre mit dem Kellner Ky einlässt, obwohl sie weiß, dass in ein paar Tagen ihr Freund Greg nachkommen wird. Greg will ein Kind, Sophie nicht. Sie beginnt, ihre Beziehung zu überdenken, stellt Vergleiche zwischen dem interessierten und verständnisvollen Ky und dem im Grunde herzensguten Greg an, von dem sie sich aber insgeheim öfter bevormundet fühlt. Sie will die Zeit auf der Insel auch nutzen, um ein Aktportrait ihrer Freundin Alessia anzufertigen, ertappt sich aber immer wieder dabei, wie sie unbeabsichtigt eine männliche Perspektive auf den Frauenkörper einnimmt. Zwischen den einzelnen Kapiteln beschreibt die Ich-Erzählerin verschiedene Kunstwerke von Künstlerinnen, die den weiblichen Akt zum Thema haben. Hier tritt das zukünftige Ich von Sophie in den direkten Dialog mit den Künstlerinnen, was etwas gewöhnungsbedürftig ist. Diese Einschübe haben mich immer wieder aus der Geschichte gerissen, zumal man versucht ist, die einzelnen Kunstwerke nebenbei online zu recherchieren, um eine bessere Vorstellung zu bekommen. Das lenkt aber viel zu sehr ab, weil es wirklich viele sind, und hat mich darum eher gestört, weil ich beim Lesen nicht dauernd das Handy zur Hand nehmen will. Ansonsten sind mir auch die übrigen drei Freundinnen und die nachgereisten Männer viel zu blass geblieben. Anfangs habe ich gar nicht kapiert, wie viele Frauen nun in der Villa sind, weil die Figuren so sehr am Rand stehen. Viel Handlung hat das Buch unterm Strich nicht, aber ich habe es trotzdem nicht ungern gelesen. Wer sich für Kunst mit weiblicher Perspektive interessiert, könnte hier richtig liegen.