Stark angefangen, stark nachgelassen

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nightingowl Avatar

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Eine leichte, vielleicht auch gute spicy Lektüre für den Urlaub, durchzogen von Abhandlungen über Kunst, weibliches Schaffen und den male gaze: Das hatte ich mir von "Fünf Tage im Licht" erhofft. Und zumindest teilweise auch bekommen, jedoch dachte ich mir am Ende: Wow, lange nicht mehr so einen heteronormativen Roman gelesen...

Das Cover und die Farbgestaltung finde ich sehr ansprechend und passend für das sommerliche Setting. Und insgesamt hat mich das Setting des Romans überzeugt. Die sehr bildhaften und vor allem die Sinne ansprechenden Beschreibungen der griechischen Insel - die Düfte und Gerüche, Farben und Schattierungen - haben alles sehr lebendig erscheinen lassen. Leider macht der Titel für mich keinen Sinn: Ja, es sind fünf Tage, bis die Männer der Freundinnen nachkommen. Aber sowohl die Affäre als auch die künstlerisch inspirierende Zeit für die Protagonistin auf der Insel gehen über die diese Tage hinaus.

Sophie, gefangen in einer Art kreativen Blockade, einer unglücklichen Beziehung mit ihrem Freund Greg und in einer Quarterlife-Crisis, empfand ich als sehr ambivalente Figur. Einerseits ist sie geprägt von tiefgreifenden Erfahrungen wie dem Aufwachsen als Arbeiterkind und der Care-Arbeit für ihre Schwester, welche einst einen schlimmen Tauchunfall hatte, wodurch sie in weiten Teilen verständnisvoller und bodenständiger ist als ihre reichen, privilegierten Freundinnen. Andererseits legt sie immer mal die von ihr selbst kritisierte Misogynie im Außen internalisiert im Inneren selbst an den Tag. Ihr, von ihr selbst teils als künstlerisch objektiv beschriebener, Blick auf ihre Freundinnen schwankt immer wieder ins subjektiv Wertende. Ich war es irgendwann leid, immer wieder zu lesen, als wie viel schöner und normativ hübscher sie ihre Freundinnen empfindet. Bella Swan, bist du es?!

Frei nach dem Motto "Ich bin nicht so wie andere" entspinnt sich Sophies Affäre mit dem Griechen Ky - "'Du sprichst mehr Griechisch als die meisten Engländer', meinte er" (S. 41) - und ich habe diesen maßgeblichen Antrieb der Handlung einfach nicht gefühlt. Ich konnte Sophies Faszination mit der Insel und die Entwicklung, die sich für ihr Empfinden und ihre Kreativität ergibt, sehr nachvollziehen und fand diese als ebenfalls kreative Person richtig schön. Aber die angeblich so prickelnde Affäre hat bei mir leider kein Feuer entfacht und war für meinen Geschmack zu klischeehaft erzählt: Der "exotische" ausländische Liebhaber, Eifersüchteleien wegen einer ehemaligen Geliebten des Liebhabers und ein großer Showdown am Ende. Dabei wiederholt der Roman leider heteronormative, patriarchale Strukturen, gegen die er eigentlich anzuschreiben versucht. Gerade die Themen Eifersucht und besitzergreifendes Verhalten sind mir dabei bitter aufgestoßen: "Mein Verlangen nach seinem Körper hatte beinahe etwas Gewalttätiges, das mich gegen die Angst vor Konsequenzen immun zu machen schien. Hätte ich Greg in dem Moment ungestraft über Bord schubsen können, ich hätte es getan" (S. 199).

Was mir hingegen neben der Beleuchtung von Klassismus und Ableismus gut gefallen hat: Das neben der Affäre zentrale Thema der weiblichen Kunst! Ich hätte auch einfach nur die Einleitungen der einzelnen Kapitel lesen können, in denen jedes Mal ein Kunstwerk und das Leben einer Künstlerin vorgestellt wird, und wäre komplett zufrieden gewesen. Abhandlungen zu den Themen weibliche Muse und männlicher Künstler, Kunst und Care-Arbeit, patriarchale Strukturen im Kunstgewerbe und male gaze waren genau das, was ich zuerst von "Fünf Tage im Licht" erwartet habe. Zumindest bei diesen Themen hat der Roman für mich ins Schwarze (des Interesses) getroffen. Die Passage, als Sophie das Porträtieren ihrer Schwester als revolutionäres Aktgemälde einer Frau mit Behinderung beschreibt, hat mich sehr berührt und dieser Teil liest sich wirklich sehr empowerend.

Damit geht für mich jedoch wieder ein zentraler Kritikpunkt einher: Ich fand die Auflösung des seltsamen Gefühls von Sophie während der Affäre und die Darstellung des Aktporträts sehr flach. Ihre Freundin Alessia, die ehemalige Geliebte von Ky, beobachtet die beiden während der Affäre, wovon Ky anscheinend weiß, und ein erneutes Aufflammen des Verhältnisses der beiden wird auch in den Raum gestellt. Sophie verarbeitet dies, indem sie in das Aktgemälde von Alessia auch sich selbst einfließen lässt und einen Kuros einfügt - die griechische Statue eines Jünglings, welcher das weibliche Akt-Doppel zu beobachten scheint. Dies alles als eine Metapher der Ménage à trois und der Umkehrung des männlich Blicks in einen weiblichen (durch Alessia, I guess?!) war mir etwas zu flach.

Und es geht leider weiter mit Kritik: Ich fand es echt meeega unangenehm, dass Sophie ohne ihr Einverständnis permanent beim S*x beobachtet wird und Alessia auch noch die "Aber es hat dir doch gefallen?"-Karte ausspielt. Das ist ohne Konsens geschehen und hat Sophie in eine verletzliche Situation gebracht, Punkt. Auch zum Thema S*x: Warum wird in solchen Handlungen mit den komplett fremden Affären nie verhütet? Sophie denkt aktiv darüber nach, dass sie am Morgen noch mit Ky geschlafen hat (ohne Kondom, denn sie verhütet ja hormonell, reicht~) und danach ungeduscht neben ihrem Freund liegt: "Seine Spuren schwammen in mir, drohten sogar aus mir herauszulaufen, während mein Freund seine Arme um den untreuen Körper schlang" (S. 156). Big oof, was ist das denn für ein Seifenoper-Niveau? Da reiht sich auch eine Szene ein, als Ky Sophie nur durch seine Worte zum Höhepunkt bringt (vgl. S.227ff). Des Weiteren ist mir Sophie mit ihren Vorbehalten und fast schon r*ssistischen Gedanken negativ aufgefallen: "Ich warf mir ein weites, gestreiftes Hemdkleid aus Leinen über, wie Französinnen sie tragen, wenn sie den August im Süden verbringen" (S. 224). Und, noch schlimmer: "Ehe wir uns kennenlernten, hatte ich Männer gehabt, die mir atemlos zugeraunt hatten, wie schön ich sei, dass sie ohne mich sterben würden (meistens Franzosen oder Italiener)" (S. 216). Ja klar, wir scheren mal eben ganze Nationen im Bett über einen Kamm, ernsthaft... Ich weiß nicht, ob das für ihre Ausgestaltung als Figur wirklich nötig gewesen wäre.

Der Höhepunkt der Handlung ist mir gleich doppelt bitter aufgestoßen: Sophie wird nach dem Auffliegen der Affäre als hysterische Furie geframet, obwohl es ihr offensichtlich mental nicht gut geht und sie u. a. durch ihre Mitmenschen in diesen Zustand gerät. Der Roman verbringt so viel Zeit damit, patriarchale Klischees aufzuzeigen und teils anzugehen, nur um damit wieder in dieselbe Kerbe zu schlagen... Warum? Und dass Sophie dann ernsthaft noch von Ky schwanger wird, obwohl sie davor die ganze Zeit mit Greg diskutiert und explizit kein Kind bekommen möchte, hat mich das Buch fast entnervt zuschlagen lassen. Immerhin bleiben die beiden nur befreundet und teilen sich die Erziehung zumindest zeitweise im Co-Parenting, damit Sophie Zeit zum Malen hat. Als Sophie und Greg nach der Trennung nochmal miteinander schlafen - "Langjährige Beziehungen zwischen Männern und Frauen lassen sich nicht über Nacht auflösen" (S. 287), ok cool - konnte ich einen weiteren Strich beim Klischee-Counter setzen.

Unterm Strich mag ich den Handlungstropus "Affäre" anscheinend einfach nicht. Es hätte genug Wege gegeben, wieder Leidenschaft in die Beziehung zwischen Sophie und Greg zu bringen: offene Beziehung, bessere Kommunikation, vielleicht das latent queere Begehren von Sophie entdecken (zumindest habe ich das so rausgelesen). Also irgendwas, was nicht vor monogamer Heteronormativität strotzt. Im Grunde gab es auch genug Grenzüberschreitungen seitens Greg, was das Kinderkriegen angeht, sodass Sophie schon vorher hätte Schluss machen und sich kreativ wieder hätte befreien können. Aber dass es dafür das Klischee des "exotischen" südeuropäischen Lovers braucht, der natürlich sooo viel besser im Bett ist als der langweilige britische Freund und sie direkt auf dem Felsen im Meer vernascht... Ich weiß ja nicht. Zumal die Beziehung am Anfang ebenfalls sehr körperlich war: "Wir hatten den ganzen Urlaub mit Sex verbracht [...]" (S. 154), erinnert sich Sophie an ihren ersten gemeinsamen Urlaub mit Greg. Und auch Ky hat seine fragwürdigen Momente: "'Er weißt, dass du nicht mehr ihm gehörst.' Ich wollte sagen, dass ich niemandem gehörte, aber ich wollte mich nicht streiten" (S. 227). Zu viele Aspekte, die mir das Buch madig gemacht haben, weshalb ich nur wohlwollende 2,5 von 5 Sternen vergeben kann. Weibliches Begehren lässt sich nicht durch die Wiederholung patriarchaler Muster und klassisch männlich gelesener Taten und Gedanken, bei denen lediglich die männliche durch eine weibliche Figur ersetzt wird, darstellen.