Gut verständlich und praktisch brauchbar!

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funnyfuy Avatar

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Ich vergebe fünf Sterne, weil das Buch genau das schafft, was vielen feministischen Sachbüchern nicht gelingt: Es bleibt argumentativ stabil, ohne trocken zu werden. Barbara Blaha verbindet persönliche Anekdoten mit Zahlen, Begriffen und politischer Einordnung so, dass man beim Lesen nicht das Gefühl hat, „unterrichtet“ zu werden, sondern ernst genommen. Der Ton ist direkt und stellenweise bewusst zugespitzt – nicht, um zu provozieren, sondern um klar zu machen, dass es hier um strukturelle Realitäten geht, die im Alltag von Frauen ganz konkret spürbar sind.

Inhaltlich funktioniert für mich besonders die Breite: Mental Load, Care-Arbeit, Zeitarmut, Lohnungleichheit, die Abwertung „weiblich“ konnotierter Arbeit und die Frage, wer Sichtbarkeit, Geld und Entscheidungsmacht bekommt. Das Buch bleibt dabei nicht auf der Ebene von Schlagworten stehen, sondern macht nachvollziehbar, wie diese Dinge zusammenhängen und warum sich Ungleichheit so hartnäckig hält – auch in Ländern, die sich gern als fortschrittlich erzählen. Gerade die Mischung aus persönlichem Zugriff und belastbaren Fakten sorgt dafür, dass vieles hängen bleibt.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Gestaltung: Die gelbe Farbigkeit und die visuelle Hervorhebung wichtiger Stellen wirken nicht wie Deko, sondern wie eine Einladung, sich wirklich damit zu beschäftigen, Passagen wiederzufinden und weiterzudenken. Für mich liest sich das Buch dadurch weniger wie ein „Sachbuchblock“, sondern eher wie ein Werkzeugkasten, den man im Kopf behält und in Gesprächen, im Job oder in kulturellen Kontexten wieder anwenden kann.

Ja: An einigen Stellen wiederholen sich Argumentationslinien, und nicht jede Zuspitzung wird ausdifferenziert. Aber der Gesamteindruck überwiegt klar. Das Buch rüttelt wach, liefert Sprache und Beispiele für Dinge, die oft nur diffus wahrgenommen werden.