Kluges, wütendes, vielschichtiges Plädoyer für Feminismus
Wer sich fragt, ob wir wirklich noch ein Buch zum Thema Feminismus brauchen – im Fall von Barbara Blahas Neuveröffentlichung „Funkenschwestern“ ist meine Antwort eindeutig: JA!
In sieben Kapiteln vermittelt die Autorin ein umfassendes Wissen zu Themen wie strukturelle Ungerechtigkeit, ungleiche Bezahlung / Finanzen, Care Arbeit und Familie, Mental Load, Zeit, Gesundheit, Hass und Gewalt gegen Frauen, etc.
Trotz des Umfangs an Zahlen, Fakten und Studien liest sich das Buch sehr leicht und gut verständlich, auch dank Barbara Blahas persönlichen Geschichten und Erfahrungen.
Auch wer sich (wie ich) schon intensiv mit dem Thema Feminismus, Patriarchat und strukturelle Ungleichheit befasst hat, kann in diesem Buch noch viel mitnehmen.
Die Autorin schafft es, komplexe Zusammehänge gut verständlich zusammenzufassen. Und auch wenn man vieles schon wusste oder persönlich erfahren hat, macht es beim Lesen erneut oft wütend und fassungslos.
„[...] Manche tun genau das. Andere macht allein das Wort Feminismus schon nervös. Nicht, weil sie etwas gegen die Gleichberechtigung der Frauen haben, sondern weil sie tief drinnen wissen, dass sie Privilegien haben, die der Feminismus ans Tageslicht holt. Abseits von ein paar wenigen Psychopathen wacht kein Mann morgens auf und denkt als erstes: „Heute knechte ich wieder ein paar Frauen.“ Aber alle Männer werden in einer Welt groß, in der ihnen die meisten Türen dank ihres Geschlechts offenstehen (es gibt Ausnahmen, rassistischer Ausschluss beispielsweise betrifft Männer genauso). Und wenn sie ihr Leben lang durch fast jede Tür durchspazieren können, dann merken sie vielleicht irgendwann nicht mehr, dass für andere viele Türen versperrt bleiben. Wenn Frauen dann auf diese Türen aufmerksam machen, dann fühlt sich das für viele Männer wie Kritik an. Aber es ist nicht zwingend ein Vorwurf, sondern die Einladung, Verantwortung zu übernehmen. Die Einladung, das Patriarchat wieder zu verlernen. Oft lese ich unter meinen Videokolumnen, die feministische Themen behandeln, das sei doch blanker Männerhass. Das ist ein Totschlag-Argument, das die Männer pauschal entlastet. Wenn es nur „Männerhass“ ist, dann muss man sich auch nicht mit den Zahlen, den Daten und den Fakten beschäftigen, die belegen, wie das Patriarchat bis heute Frauen auf allen Ebenen ausbeutet.“
„Eine Frau namens Amber Henry hat diese Verwechslung auf TikTok in wunderbare Worte gefasst: ‚Ich hasse Männer nicht. Ich hasse, wie ihre Blicke Orte finden, an die sie nicht eingeladen wurden. Ich hasse, dass ein ‚Nein‘ oft zu einer Debatte wird, statt eine Antwort zu sein. Ich hasse, dass jede Frau, die ich kenne, eine Geschichte trägt, die sie nie erzählen wollte. Ich hasse die Loyalität, die sie Tätern schenken, und wie sie unsere Selbstbestimmung gegen ihr Begehren eintauschen. Ich hasse, zehnmal so hart zu arbeiten wie sie. Für nur ein Zehntel der Anerkennung.‘ Wir hassen nicht die Männer, wir hassen das Patriarchat. All das, was Amber Henry da so zutreffend formuliert, wollen Männer meist nicht hören. Es ist so viel einfacher zu hören: ‚Ich hasse Männer.‘ Keine Frau sagt: ‚Du bist ein schlechter Mensch, weil du ein Mann bist.‘ Wir sagen: ‚Weil du ein Mann bist, hast du all diese Vorteile, kassierst – ob du willst oder nicht! –, die Dividende des Patriarchats und manche deiner Verhaltensweisen helfen mit, die Verhältnisse zu stabilisieren.‘“
„Funkenschwestern“ ist ein wirklich kluges, vielschichtiges und wichtiges Buch, das von mir eine absolute Leseempfehlung bekommt!
Vielen Dank an die Verlagsgruppe Styria | Molden Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚
In sieben Kapiteln vermittelt die Autorin ein umfassendes Wissen zu Themen wie strukturelle Ungerechtigkeit, ungleiche Bezahlung / Finanzen, Care Arbeit und Familie, Mental Load, Zeit, Gesundheit, Hass und Gewalt gegen Frauen, etc.
Trotz des Umfangs an Zahlen, Fakten und Studien liest sich das Buch sehr leicht und gut verständlich, auch dank Barbara Blahas persönlichen Geschichten und Erfahrungen.
Auch wer sich (wie ich) schon intensiv mit dem Thema Feminismus, Patriarchat und strukturelle Ungleichheit befasst hat, kann in diesem Buch noch viel mitnehmen.
Die Autorin schafft es, komplexe Zusammehänge gut verständlich zusammenzufassen. Und auch wenn man vieles schon wusste oder persönlich erfahren hat, macht es beim Lesen erneut oft wütend und fassungslos.
„[...] Manche tun genau das. Andere macht allein das Wort Feminismus schon nervös. Nicht, weil sie etwas gegen die Gleichberechtigung der Frauen haben, sondern weil sie tief drinnen wissen, dass sie Privilegien haben, die der Feminismus ans Tageslicht holt. Abseits von ein paar wenigen Psychopathen wacht kein Mann morgens auf und denkt als erstes: „Heute knechte ich wieder ein paar Frauen.“ Aber alle Männer werden in einer Welt groß, in der ihnen die meisten Türen dank ihres Geschlechts offenstehen (es gibt Ausnahmen, rassistischer Ausschluss beispielsweise betrifft Männer genauso). Und wenn sie ihr Leben lang durch fast jede Tür durchspazieren können, dann merken sie vielleicht irgendwann nicht mehr, dass für andere viele Türen versperrt bleiben. Wenn Frauen dann auf diese Türen aufmerksam machen, dann fühlt sich das für viele Männer wie Kritik an. Aber es ist nicht zwingend ein Vorwurf, sondern die Einladung, Verantwortung zu übernehmen. Die Einladung, das Patriarchat wieder zu verlernen. Oft lese ich unter meinen Videokolumnen, die feministische Themen behandeln, das sei doch blanker Männerhass. Das ist ein Totschlag-Argument, das die Männer pauschal entlastet. Wenn es nur „Männerhass“ ist, dann muss man sich auch nicht mit den Zahlen, den Daten und den Fakten beschäftigen, die belegen, wie das Patriarchat bis heute Frauen auf allen Ebenen ausbeutet.“
„Eine Frau namens Amber Henry hat diese Verwechslung auf TikTok in wunderbare Worte gefasst: ‚Ich hasse Männer nicht. Ich hasse, wie ihre Blicke Orte finden, an die sie nicht eingeladen wurden. Ich hasse, dass ein ‚Nein‘ oft zu einer Debatte wird, statt eine Antwort zu sein. Ich hasse, dass jede Frau, die ich kenne, eine Geschichte trägt, die sie nie erzählen wollte. Ich hasse die Loyalität, die sie Tätern schenken, und wie sie unsere Selbstbestimmung gegen ihr Begehren eintauschen. Ich hasse, zehnmal so hart zu arbeiten wie sie. Für nur ein Zehntel der Anerkennung.‘ Wir hassen nicht die Männer, wir hassen das Patriarchat. All das, was Amber Henry da so zutreffend formuliert, wollen Männer meist nicht hören. Es ist so viel einfacher zu hören: ‚Ich hasse Männer.‘ Keine Frau sagt: ‚Du bist ein schlechter Mensch, weil du ein Mann bist.‘ Wir sagen: ‚Weil du ein Mann bist, hast du all diese Vorteile, kassierst – ob du willst oder nicht! –, die Dividende des Patriarchats und manche deiner Verhaltensweisen helfen mit, die Verhältnisse zu stabilisieren.‘“
„Funkenschwestern“ ist ein wirklich kluges, vielschichtiges und wichtiges Buch, das von mir eine absolute Leseempfehlung bekommt!
Vielen Dank an die Verlagsgruppe Styria | Molden Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚