Funny und rührend zugleich

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Gestaltung:
Ich hatte das große Glück, von Knaur die wunderschöne Premium-Paperback Ausgabe mit dem Zitronen-Farbschnitt zu bekommen. Den Coverstil bei Emily Henrys Büchern mag ich schon immer, wir haben hier stilvolle Comiczeichnungen mit angedeuteten Personen. Diese sind zeitlos, knallig und machen einfach gute Laune. Bei "Funny Story" gefällt mir besonders die Kombination aus blau und gelb richtig gut, ein echter Hingucker in meiner Romance-Sektion.

Darum geht's:
Daphne wurde von ihrem Verlobten Peter sitzen gelassen für seine Kindheitsfreundin Petra. Miles wurde von Petra sitzen gelassen für ihren Kindheitsfreund Peter. Als wäre das nicht schon Chaos genug, muss Daphne aus dem gemeinsamen Haus ausziehen und zieht mit Miles in eine Übergangs-WG. Die beiden Verlassenen suhlen sich gemeinsam in ihrem Leid und bemerken dabei, dass sie zwar sehr verschieden sind, aber das auch einen gewissen Reiz ausmachen kann...

Idee/ Umsetzung:
Emily Henry hat für ihre Geschichten immer eine spannende Ausgangssituation, sei es in einem spannenden Berufsfeld ("Book Lovers") oder eine interessante Beziehungskonstellation ("Happy Place"). In "Funny Story" geht es um die beiden verlassenen Partner, die sich zwangsweise eine WG teilen und sich dabei Stückchen für Stückchen näherkommen. Hinzu kommt, dass die beiden grundverschieden sind, was es hier besonders prickelnd macht.
Ich finde es großartig, was für smarte Plots die Autorin wieder und wieder konzipiert. Eine ähnliche Ausgangssituation habe ich schon mal bei Colleen Hoover gelesen, ansonsten aber noch nicht.

Die Funny Story ist anfangs gar nicht so funny, denn Protagonistin Daphne geht es wirklich schlecht. Sie hat ihr Leben in den letzten Jahren vollends auf ihren Verlobten Peter ausgerichtet - gemeinsames Eigenheim, gemeinsamer Freundeskreis, gemeinsamer Alltag. Als er sich nun überraschend von ihr trennt bemerkt sie erst, dass sie sich selbst über die Zeit verloren hat. Das einzige, was ihr Halt gibt, ist ihr Job als Bibliothekarin in der örtlichen Buchhandlung.
Was als Zweckgemeinschaft beginnt, wird hier zum Mittelpunkt der Geschichte: Die WG von Daphne und Miles. Zu Anfang sieht Daphne die WG tatsächlich als zweckmäßig an und sieht Miles überhaupt nicht als Beziehungspotenzial. Erst als die beiden immer mal wieder ins Gespräch kommen oder völlig betrunken in einer Bar landen, kommen sie sich näher. Das Prickeln zwischen den beiden baut sich langsam auf, war aber deshalb nicht minder spannend. Ich würde es nicht als Slowburn bezeichnen, aber die Annäherung ist auch nicht total überstürzt. Immer mal wieder machen die beiden Ausflüge miteinander, da Miles Daphne die Schönheit seiner Wahlheimat näherbringen möchte, und dabei lernen die beiden auch einander sehr gut kennen.

Ein Stück weit hatte ich das Gefühl, Emily Henry schreibt diese Geschichte für mich. Viele kennen es doch auch, dass man festgefahren ist in den eigenen Routinen (oder sind es die des Partners?). Man hinterfragt das eigene Leben so lange nicht, bis etwas Einschneidendes passiert und ein neuer Lebensentwurf her muss. Bei Daphne kam dieser aus dem nichts, letztendlich ist es aber ihre Chance, ihr Leben zurückzuerobern, was ich sehr rührend zu lesen fand. Einige Entwicklungen sind glückliche Fügungen des Schicksals, bei anderen nimmt Daphne die Veränderung aktiv in die Hand. Die Trauer um die verflossene Beziehung mit Peter nimmt genau richtig viel Raum ein, ohne dass die Geschichte an Leichtigkeit verliert. Auch die Liebe zu Büchern bringt Emily Henry wieder unter, hier in Form von Daphnes Tätigkeit als Bibliothekarin - wunderbar!

Figuren:
Daphne und Miles sind für mich ein hervorragendes Beispiel für "Gegensätze ziehen sich an". Daphne ist eine sehr organisierte Frau, die außer Arbeiten wenig tut und sehr familienverbunden ist. Miles dagegen ist ein kiffender Freigeist, ein absoluter Gutmensch und dennoch ein stilles Wasser. Was am Anfang so gar nicht zu harmonieren scheint, entwickelt sich zu einer nahezu explosiven Mischung an Lebensrealitäten. Ich fand die beiden zusammen einfach nur zuckersüß und habe ihre Liebesgeschichte so gerne verfolgt.

Ende:
Das Ende war typisch Emily Henry, schön, aber nicht zu schön. Ich schließe ihre Bücher immer mit einem zufriedenen Seufzer, denn sie findet für jede (funny) Story genau den perfekten Ausgang, so auch hier.

Fazit:
"Funny Story" zählt nun zu meinen absoluten Lieblingsbüchern der Autorin (wie fast alle?). Ich fand die Geschichte zwischen Daphne und Miles wunderschön zu verfolgen und die Themen, die mitschwingen (z. B. Was will ich im Leben?), auf den Punkt eingewoben. Ich freue mich schon auf das nächste Buch der Autorin.