Anleitung zum gärtnerischen Denken
Das Handwerkliche
„Gärtnern für die Artenvielfalt“ kommt in kleinem Format von 13x21cm als fadengeheftetes Hardcover. Schlägt man eine der Lagen mittig auf, sind die Heftfäden zu sehen, das Buch bleibt locker geöffnet liegen.
Den farblich unpassenden Werbeaufkleber ziehen Sie am besten sofort vorsichtig ab, damit der Kleber nicht aushärtet.
Das Einbandpapier wirkt wie weiß auf blau bedruckt, der blaue Untergrund zeigt einen leichten Used-Look. Da der Band nicht lackiert oder foliert wurde, werden sich die Buchecken vermutlich schnell abstoßen.
Die sehr persönlichen Fotos, teils ganz- und teils halbseitig, sind von guter Qualität.
Die gewählte Schrifttype finde ich zu klein, die Druckfarben für die Infobereiche teils schwer lesbar und zum Hervorheben einzelner Themen zum großen Teil ungeeignet. Die einzig angenehm lesbare Farbe ist hier das dunkle Grün; DIESES Gelbgrün, Braun, Hellrot, Türkis als Schriftfarbe finde ich dagegen ungeeignet.
Die kleinen Abbildungen am Rand haben mir gut gefallen, weil sie im Gegensatz zu anderen Gartenbüchern eine Aussage mit einer Aufgabe verbinden und nicht nur herumstehen. Bei den abgebildeten (teils kleinen, unscheinbaren) Tierarten kann man sich z. B. fragen: kommen sie in meinen Garten, kenne ich sie?
Inhalt
Jasmin Schreiber erzählt aus ihrer Erfahrung mit einem größeren Dachgarten, sowie mit einem sonnigen und einem feuchten, schattigen Kleingarten, von denen einer direkt an ein Moor grenzt. Wichtig ist ihr, Gärtner oder Gärtnerin als Hüter/Bewahrer anzusehen, weniger als Besitzer. Schließlich übernehmen wir mit dem Garten Bäume, Sträucher und Fehlentscheidungen der Vorbesitzer/unserer Eltern. Die Autorin arbeitet mit einem empathischen Ansatz, wie man ihn gemeinsam mit Kindern bei der Gartenarbeit verwendet. Sie fragt: was will die Heidelbeerpflanze, warum gedeiht sie im Moor wild und kränkelt auf falsch gewähltem Boden? Was brauchen Nützlinge, denen Tiere als Nahrung dienen, die ich nicht auf meinem Gemüse sehen möchte? Wann fühlt sich Amsel oder Igel wohl und wie kann ich ihr Wohlbefinden im gemeinsamen Interesse steigern?
Das Gärtnern auf Balkon oder Terrasse denkt Jasmin Schreiber stets mit. Das Einrichten einer Wasserstelle für Vögel und Insekten, die an die Permakultur angelehnte Vergesellschaftung von Pflanzen oder das Schaffen von Strukturen durch Pflanzen unterschiedlicher Größe lassen sich als ersten Schritt auch auf dem Balkon oder im handtuchgroßen Vorgarten verwirklichen. Große Themen des Buchs sind u.a.: Garten in Städten als „Trittstein“ für Vögel, Insekten, kleine Säugetiere und Amphibien, Garten als Arbeiterwohnung für Bienen und Käfer im Austausch gegen ihre Arbeitsleistung, mit Schnecken, Mücken und Wespen in Frieden leben, Vielfalt schaffen (z. B. durch Totholz), Kompost und Mulchen, Wasser generell & der Garten als Schwamm, was sind heimische Arten und Pflanzen, wie werde ich im bestehenden Garten invasive oder für Insekten unnütze Arten schrittweise los, wie kann ich einen langweiligen Rasen durch kleine Pflanzeninseln aufwerten – und wie kann ich evtl. Kritikern die neugeschaffene Wildnis mit kleinen Tricks „verkaufen“ – und z. B. die Regeln in einem Kleingartenverein respektieren.
Fazit
Jasmin Schreiber ordnet nicht an: tue dies und lass das, sondern regt zum gärtnerischen Denken an und stellt Zusammenhänge her. Mir hat ihr Einbeziehen von Balkongärtnern gut gefallen und generell die respektvolle Tonlage, egal ob es um kleine Tiere mit 8 Beinen geht oder Kompromisse, die zunächst zu schließen sind, bevor Schreibers Leser:innen mehr Wildnis wagen. Da ich auch zur Fraktion gehöre, die als Kind beim Bohnenlegen das Gartenwissen von Großeltern und Eltern aufgesaugt hat, rennt das Buch bei mir offene Türen ein. Empfehlen kann ich es Einsteigern, die einen alten Garten übernehmen oder Gartenbesitzern, die sich mehr Pflanzengesellschaften, mehr Symbiose von Pflanzen und kleinen „Arbeitern“, sowie weniger Wasserverbrauch wünschen, ohne dass die Veränderung gleich in Arbeit ausartet.
„Gärtnern für die Artenvielfalt“ kommt in kleinem Format von 13x21cm als fadengeheftetes Hardcover. Schlägt man eine der Lagen mittig auf, sind die Heftfäden zu sehen, das Buch bleibt locker geöffnet liegen.
Den farblich unpassenden Werbeaufkleber ziehen Sie am besten sofort vorsichtig ab, damit der Kleber nicht aushärtet.
Das Einbandpapier wirkt wie weiß auf blau bedruckt, der blaue Untergrund zeigt einen leichten Used-Look. Da der Band nicht lackiert oder foliert wurde, werden sich die Buchecken vermutlich schnell abstoßen.
Die sehr persönlichen Fotos, teils ganz- und teils halbseitig, sind von guter Qualität.
Die gewählte Schrifttype finde ich zu klein, die Druckfarben für die Infobereiche teils schwer lesbar und zum Hervorheben einzelner Themen zum großen Teil ungeeignet. Die einzig angenehm lesbare Farbe ist hier das dunkle Grün; DIESES Gelbgrün, Braun, Hellrot, Türkis als Schriftfarbe finde ich dagegen ungeeignet.
Die kleinen Abbildungen am Rand haben mir gut gefallen, weil sie im Gegensatz zu anderen Gartenbüchern eine Aussage mit einer Aufgabe verbinden und nicht nur herumstehen. Bei den abgebildeten (teils kleinen, unscheinbaren) Tierarten kann man sich z. B. fragen: kommen sie in meinen Garten, kenne ich sie?
Inhalt
Jasmin Schreiber erzählt aus ihrer Erfahrung mit einem größeren Dachgarten, sowie mit einem sonnigen und einem feuchten, schattigen Kleingarten, von denen einer direkt an ein Moor grenzt. Wichtig ist ihr, Gärtner oder Gärtnerin als Hüter/Bewahrer anzusehen, weniger als Besitzer. Schließlich übernehmen wir mit dem Garten Bäume, Sträucher und Fehlentscheidungen der Vorbesitzer/unserer Eltern. Die Autorin arbeitet mit einem empathischen Ansatz, wie man ihn gemeinsam mit Kindern bei der Gartenarbeit verwendet. Sie fragt: was will die Heidelbeerpflanze, warum gedeiht sie im Moor wild und kränkelt auf falsch gewähltem Boden? Was brauchen Nützlinge, denen Tiere als Nahrung dienen, die ich nicht auf meinem Gemüse sehen möchte? Wann fühlt sich Amsel oder Igel wohl und wie kann ich ihr Wohlbefinden im gemeinsamen Interesse steigern?
Das Gärtnern auf Balkon oder Terrasse denkt Jasmin Schreiber stets mit. Das Einrichten einer Wasserstelle für Vögel und Insekten, die an die Permakultur angelehnte Vergesellschaftung von Pflanzen oder das Schaffen von Strukturen durch Pflanzen unterschiedlicher Größe lassen sich als ersten Schritt auch auf dem Balkon oder im handtuchgroßen Vorgarten verwirklichen. Große Themen des Buchs sind u.a.: Garten in Städten als „Trittstein“ für Vögel, Insekten, kleine Säugetiere und Amphibien, Garten als Arbeiterwohnung für Bienen und Käfer im Austausch gegen ihre Arbeitsleistung, mit Schnecken, Mücken und Wespen in Frieden leben, Vielfalt schaffen (z. B. durch Totholz), Kompost und Mulchen, Wasser generell & der Garten als Schwamm, was sind heimische Arten und Pflanzen, wie werde ich im bestehenden Garten invasive oder für Insekten unnütze Arten schrittweise los, wie kann ich einen langweiligen Rasen durch kleine Pflanzeninseln aufwerten – und wie kann ich evtl. Kritikern die neugeschaffene Wildnis mit kleinen Tricks „verkaufen“ – und z. B. die Regeln in einem Kleingartenverein respektieren.
Fazit
Jasmin Schreiber ordnet nicht an: tue dies und lass das, sondern regt zum gärtnerischen Denken an und stellt Zusammenhänge her. Mir hat ihr Einbeziehen von Balkongärtnern gut gefallen und generell die respektvolle Tonlage, egal ob es um kleine Tiere mit 8 Beinen geht oder Kompromisse, die zunächst zu schließen sind, bevor Schreibers Leser:innen mehr Wildnis wagen. Da ich auch zur Fraktion gehöre, die als Kind beim Bohnenlegen das Gartenwissen von Großeltern und Eltern aufgesaugt hat, rennt das Buch bei mir offene Türen ein. Empfehlen kann ich es Einsteigern, die einen alten Garten übernehmen oder Gartenbesitzern, die sich mehr Pflanzengesellschaften, mehr Symbiose von Pflanzen und kleinen „Arbeitern“, sowie weniger Wasserverbrauch wünschen, ohne dass die Veränderung gleich in Arbeit ausartet.