Ein inspirierendes Buch mit sehr viel warmherziger Menschlichkeit.

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aerdna Avatar

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Manchmal ist es fast schade, dass man schlafen, essen oder auch mal Pause machen muss.
Gekommen, um zu bleiben hat mich von Anfang an sehr berührt und gleich aufgesogen.

Madeleine Becker hat diesen warmen, zutiefst menschlichen, sympathischen Schreibstil, der einfach ehrlich ist und sich auch nicht scheut, Verletzlichkeiten offen anzusprechen.
Das hat es mir so leicht gemacht, mich in das Buch zu versenken.

Wunderbar finde ich, dass es so einen nachhaltigen, ökologisch vertretbaren, Touch hat.
Das gute Gewissen wird quasi mitgeliefert.
Es kommt kartoniert ohne Folierung und auf nicht weiß gebleichtem Papier.
Das passt gut zum Buch und gut zur Autorin, denn die stellt ja die Frage, wie man Mensch- und Tierwohl auf nachhaltige Weise vereinen kann, was auch mir wichtig ist, vor allem in Hinblick auf ein möglichst natürliches Leben und einen kleineren Fußabdruck.
Es fühlt sich einfach gut an und schaut auch schön aus.

In den Klappen des Covers findet sich vorne eine bezaubernde Illustration des >Hauses im Wald<, eine Art Lageplan, und hinten eine ebensolche Vorstellung der >WG< des kleinen Bauernhofs - das ist eine wunderbare, einfach sehr, sehr schöne und vor allem auch hilfreiche Idee: ich habe beim Lesen immer wieder geblättert und geschaut, wer jetzt noch mal wer war - bei so vielen menschlichen und fellnasigen Bewohnern gar nicht gleich so einfach, auch, wenn man mit der Zeit gut reinkommt - oder wo ein Geschehen wohl gerade stattfindet.
Das hat meine Fantasie gefüttert und ich konnte mich richtig gut in den Hof und die Erzählungen einfühlen.
Ich saß auf der goldenen Sonnenbank, bin mit Kater Findus auf Erkundungstour gegangen, hab Schwafin Wilma Futtertrog-Kicker spielen hören und hab mich vom hohen Gras in den Wiesen kitzeln lassen.

Es gibt so viele schöne, aber auch schwierige Momente, die Lukas und Madeleine mit nahezu unerschütterlicher Zuversicht und einem ganz zauberhaften, subtilen, oft leisen, schönen Humor bewältigen.
Und auch mit ganz viel Offenheit; dem Mut, von Fehlern und eigenen Schwächen zu berichten. Das inspiriert.

Es ist eine Geschichte von Aufbruch und Ankommen, die Spaß macht, neugierig, etwas sehnsüchtig und wehmütig, Lust, selbst loszulegen und auch sich die entsprechenden Fragen zu stellen.

Und es ist ebenso eine Geschichte über allzu menschliches. Generationenkonflikte, Umbrüche, Brüche.
Ich würde fast so weit gehen, zu sagen, dass es inspirierend für Eltern sein kann. Generell für Familien, vielleicht die eigene Kommunikation und den Kurs einmal auf den Prüfstand zu stellen.
Denn hier ist ansatzweise gut zu sehen, was passiert, wenn man versäumt, mit dem Nachwuchs gemeinsam zu planen und Kurskorrekturen vorzunehmen. Sehr berührend, dass die Menschen, es sich oft selbst so schwer machen.

Für die Autorin und ihren Herzensmenschen jedenfalls, geht es gut aus und ich bin fast ein bisschen neidisch - auf jeden Fall aber sehr inspiriert und berührt.
Das Buch liest sich, als dürfte man bei einer lieben Freundin mal über den Zaun spicken und ein bisschen Leben mitleben.

Besonderes Highlight sind die vielen Farbfotos im Buch, die sehr hochwertig sind und einem dann die „echten“ Gesichter und Ansichten zu den Geschehnissen auf dem Hof mit auf den Weg geben, das hat nochmal ein kleines I-Tüpfelchen obenauf gesetzt.

Gekommen, um zu bleiben ist eine herzerwärmende, sehr nahbare Geschichte, die zeigt, wie wichtig es ist, dran zu bleiben, nicht aufzugeben, und seinen eigenen Träumen für ein gutes Leben zu folgen.