Freud und Leid auf dem Bauernhof in der Steiermark

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Ich mag das Cover von „Gekommen, um zu bleiben“ von Madeleine Becker sehr gerne. Das viele Grün und die Tiere erzeugen bei mir unmittelbar große Lust aufs Landleben und ich finde es auch schön, die Autorin gleich auf den ersten Blick ein wenig kennen lernen zu können. Die Gestaltung insgesamt strahlt dabei eine wunderbar harmonische Mischung aus ländlicher Nostalgie und Moderne aus, was mir sehr gefällt.

Und auch im Inneren des Buches erwartete mich eine sehr gelungene Gestaltung, beginnend in der Klappe, wo ich einen Plan des Hofes vorgefunden habe. In der hinteren Klappe wird zudem die Wald-WG vorgestellt und beides ist wundervoll individuell und kreativ umgesetzt. Außerdem bietet es mir Orientierung und nähere Einblicke, was ich sehr schätze. Außerdem gibt es zwei Bildteile, die mit vielen bunten Bildern der Tiere, des Hofes und der Menschen dazu aufwarten, was mir ebenfalls sehr gefällt.

Im Text erzählt Madeleine Becker von ihrem Neuanfang und von ihrem Ankommen in ihrem „Haus am Wald“. Mit ihrem Partner Lukas und etlichen Tieren ist sie vom Bauernhof ihrer Schwiegereltern in die Steiermark geflohen und hat dort mit ihnen ihr eigenes kleines Paradies am Waldrand geschaffen. Dieses ländliche Idyll ist jedoch keines Wegs frei von Chaos, Katastrophen, Verlusten und Herausforderungen und doch auch gesegnet mit ganz viel Freude, Zuversicht, Tierliebe, Mut und Glück im Moment.

Ich kenne keines der vorherigen Bücher der Autorin und auch ihre Beiträge des Bloggs @frau_freudig sind mir nicht bekannt. Trotzdem war ich sehr neugierig auf dieses Buch und darf nach der Lektüre verraten, dass ich eine anregende, interessante und auch berührende Lesezeit hatte. Madeleine Becker erzählt in sehr angenehmer Art und Weise, die mir das Gefühl gibt, dass sie mir ganz persönlich von ihrem Leben im Haus am Wald erzählt. Dabei hat es mich überrascht, wie offen sie ihr Leben, ihre Gefühle und Gedanken mit uns LeserInnen teilt und war immer wieder davon berührt – sowohl von Glück und Erleichterung, als auch von Angst und Schmerz. Sie lässt uns wirklich in ihre Welt eintauchen und so fahnden wir am Berg nach den entlaufenen Kühen, verjagen mit ihr den Bussard, der es auf die Hühner abgesehen hat, verfallen dem neuen Kater Theo und versinken im Schlamm, freuen uns über das erste Gemüse und über den Besuch enger Freunde, hadern mit Ungerechtigkeiten und versinken im Chaos immer neuer Anforderungen. Nicht zuletzt musste ich an mancher Stelle auch wirklich laut lachen, weil es einfach zu komisch war, was „Tier“ da so veranstaltet hat.

Neben all den Anekdoten aus der Lebensgemeinschaft des Hofes, gibt es aber auch immer wieder Einordnungen von universellen landwirtschaftlichen Themen. Ich kann diese inhaltlich überhaupt nicht beurteilen, empfinde die Aussagen der Autorin jedoch als stimmig und sie wirken gut recherchiert. Mir haben sie vor allem mansch neuen Einblick geschenkt, denn viele Dinge wusste ich nicht, oder war mir deren Zusammenhänge nicht bewusst. Eine wunderbare Ergänzung ist zudem der Anhang des Buches, in dem es eine Liste zu Tiersichtungen auf dem Gelände des Hofes, sowie ein Glossar mit Begriffen gibt, die vielleicht nicht jedem Leser geläufig sind. Zudem gibt es ein einladendes und erklärendes Vorwort sowie eine Playlist zum Buch – ein tolles Gesamtpaket!

Auch wenn das Landleben mit den Tieren und dem eigenen Gemüseanbau ein zentrales Thema dieses Buches ist, so geht es doch auch ganz generell um einen Neuanfang, darum sich selber (wieder) zu finden, behutsam mit sich und seiner Umwelt umzugehen und seinen eigenen Weg bzw. Platz in der Welt zu finden. Daher kann ich dieses Buch nicht nur allen LeserInnen empfehlen, die Interesse an „tierischen Themen“ haben, sondern glaube, dass die allermeisten Identifikationspunkte in den alltäglichen und lebensnahen Inhalten finden werden – viel Freude bei eurer Reise in die Steiermark!