Alles toll

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gkw Avatar

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Tolles Cover, toller Titel, tolle Leseprobe, interessantes Thema („weibliche Gewalt“ kann man ja nicht als toll bezeichnen).

#Schon auf den ersten Seiten habe ich Charlie ins Herz geschlossen. Ihre Gedanken, ihre Deutungen dessen, was um sie herum passiert – Clara Leinemann hat das Lebensgefühl und die Weltsicht einer jungen Frau unglaublich gut ausgedrückt. Charlie lernt einen interessanten Mann kennen, schon ist das die „Wendung ihres Lebens“. Die ältere Frau in der Bahn ist erst „so elegant, so geschmackvoll.“ „Sie sieht so klug aus.“ „Ganz bestimmt ist sie Therapeutin.“
Dann pflichtet diese ihr nicht bei und schon kippt die Wahrnehmung: “… die Hand, der Finger, der über die Zeilen streicht, ist schrumpelig und hässlich, was für eine hässliche Hand, was für ein schreckliches Outfit, was für eine schlechte Therapeutin“.

Charlie ist eine tolle Protagonistin, so verpeilt, so liebenswert. Sie hat natürlich maßlos viel Selbstmitleid, ist aber auf der anderen Seite auch sehr verletzt und verletzlich. Ich möchte natürlich wissen, ob ich so jemanden wie Charlie richtig negativ bewerten kann, wenn ich erst weiß, was sie überhaupt getan hat. Hat sie überhaupt etwas getan, was man ihr vorwerfen kann – woher hat sie denn die Blutergüsse im Gesicht?

Eines der Themen des Buches ist „weibliche Gewalt“, ein Thema, das man in Büchern kaum findet. Aber da wir in einer Gesellschaft leben, die eine Gesellschaft voller Wut geworden ist, und Wut häufig irgendwann einen Weg zur Entladung sucht, sollte man sich mit dem Thema in allen Varianten und Ausprägungen beschäftigen.

Das ist ein Buch für mich.