Zwischen Selbstzweifel, Wut und der Sehnsucht nach Erlösung

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einbisschenlara Avatar

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Charlie ist eine Erzählerin, die weh tut – gerade weil sie so nahbar ist. In „Gelbe Monster“ wird mit großer sprachlicher Präzision gezeigt, wie sich emotionale Abhängigkeit, Scham und unterdrückte Wut langsam ineinander verschlingen. Die Ich-Nähe des Textes zieht einen tief in Charlies Gedankenwelt hinein, in der Selbstverurteilung, Größenfantasien und verletzte Hoffnung ständig miteinander ringen.
Besonders eindrucksvoll finde ich, wie der Roman mit Ambivalenzen arbeitet: Charlie ist weder reine Täterin noch reines Opfer. Die Auseinandersetzung mit weiblicher Gewalt, toxischen Beziehungsmustern und internalisierten Liebesidealen erfolgt klug, unbequem und ohne einfache moralische Auflösung. Dabei gelingt es Clara Leinemann, schwere Themen mit Witz, Tempo und literarischer Leichtigkeit zu erzählen, ohne sie zu verharmlosen.
Ich erwarte von diesem Roman eine intensive, ehrliche und mutige Lektüre, die lange nachwirkt und Fragen nach Verantwortung, Schuld und Selbstbild offenlässt. „Gelbe Monster“ verspricht für mich ein Debüt, das sich traut, widersprüchlich zu sein – und gerade dadurch besonders stark ist.