Zwischen Selbstzweifel, Wut und Neuanfang
Schon der Einstieg wirkt stark und ungewöhnlich: Eine junge Frau mit blauem Auge, die in der U-Bahn sitzt und sich selbst moralisch infrage stellt, zieht sofort in die Geschichte hinein. Das Cover stelle ich mir passend reduziert und symbolisch vor, mit einem leicht verstörenden, aber neugierig machenden Motiv. Der Schreibstil wirkt leicht, pointiert und zugleich sehr reflektiert – mit Humor an den richtigen Stellen, ohne die Schwere der Themen zu verharmlosen. Die Leseprobe baut Spannung weniger über äußere Handlung als über Charlies innere Konflikte auf, was sehr gut funktioniert. Charlie ist eine widersprüchliche, unperfekte, aber extrem greifbare Figur, deren Selbstrechtfertigungen und Zweifel glaubwürdig erscheinen. Auch Ella wirkt als starke, unterstützende Freundin überzeugend. Ich erwarte eine ehrliche, schmerzhafte, aber auch empowernde Entwicklung, in der Verantwortung, Schuld und Selbstvergebung neu verhandelt werden. Gerade diese Ambivalenz macht neugierig und lässt mich das Buch unbedingt weiterlesen wollen.