Antiaggressionstraining
Der Roman liest sich trotz des anspruchsvollen und ernsten Themas frisch, locker, jung, fast wie ein Gespräch mit einer guten Freundin, sodass ich am Ende auch ein wenig traurig war, dass er zu Ende war. Erzählt wird aus der Perspektive von Charlie, somit bekommen wir als Leser*innen ihre subjektiven Wahrnehmungen präsentiert, die sich durchaus von anderen unterscheiden könnten. Der Aufbau ist bewusst sprunghaft, man erfährt in den einzelnen Bereichen die aktuelle Lebenssituation von Charlie und dazwischen immer wieder Rückblenden, wie es bis zum Punkt der Eskalation gekommen ist. Charlie befand sich zu diesem Zeitpunkt in einer toxischen Beziehung mit Valentin, sie beide hatten unterschiedliche Vorstellungen von Liebe und Zusammenleben und Valentin hing noch sehr an seiner Ex-Freundin. Charlie steigert sich in die Beziehung und macht sich selbst und ihr Glück von ihrem Partner abhängig, es entsteht eine emotionale Abhängigkeit, sie versucht Valentin mit physischer und psychischer Gewalt an sich zu binden. Aus der Spirale aus Wut, Schmerz, Scham, Verletzung, Verzeihung und wieder von vorne, kommt Charlie nicht wieder heraus, bis es zu der einen Situation kommt, die Charlie explodieren lässt. Charlie hat das Glück mit Ella eine sehr gute Freundin zu haben, die sie auch in harten Zeiten bei sich aufnimmt und unterstützt und sie zu einem Antiaggressionstraining für Frauen schickt. In der Gruppe sieht man, wie unterschiedlich Gewalt von den einzelnen Personen wahrgenommen wird und welche Formen sie annehmen kann. Das Training hat Charlie bestimmt gutgetan, noch wichtiger aber finde ich, dass sie selbst für sich reflektiert und weiterhin am Thema dranbleibt und an sich arbeitet. Der körperliche Ausgleich in der harten Freiwilligenarbeit ist schon ein guter Anfang, aber sie braucht auch weiterhin noch viel Unterstützung, Reflexion und Ausgleich in ihrem Leben. Auch wenn Charlie am Ende des Romanes schon viel ausgeglichener wirkt, ist noch immer sehr verletzlich und anfällig für weitere Gewaltsituationen, sich selbst oder ihren Mitmenschen gegenüber.