Beeindruckendes und packendes Debüt über ein wichtiges Thema

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
monika85 Avatar

Von

Im Mittelpunkt von Clara Leinemanns Debütroman "Gelbe Monster" steht die junge Mathematikstudentin Charlotte, genannt Charlie, die gerade an ihrer Doktorarbeit schreibt und bei ihrer Freundin Ella aus Kindheitstagen wohnt. Sie ist in ihrer Beziehung gewalttätig geworden und wird an einem Antiaggressionsprogramm teilnehmen. Mit Unterstützung von Psychologen wird sie sich in 25 Sitzungen gemeinsam mit anderen Frauen über Gewalt, Konfliktverhalten, Macht und Kontrolle austauschen.

Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Während wir Charlie im Hier und Jetzt in ihrem Alltag und bei den Therapiesitzungen begleiten, blättert sich im zweiten Erzählstrang ihre Vergangenheit langsam auf.
Charlie schmiedet Zukunftspläne, als sie den attraktiven Literaturstudenten Valentin kennenlernt und sich in ihn verliebt. Doch der versprochene Anruf des jungen Mannes bleibt aus, erst ein Jahr später begegnen sie sich auf einer Vernissage wieder, treffen sich von nun an häufiger und werden schließlich ein Paar. Charlies Wunsch ist es, Valentin eine gute Freundin zu sein, und sie erkennt dabei nicht, dass er in ihrer Beziehung nicht glücklich ist ...

Das Buch ist in klarer Sprache geschrieben und liest sich sehr flüssig. Der Autorin ist es gelungen, nicht nur die beiden Hauptcharaktere, sondern auch die Nebenfiguren sehr authentisch zu zeichnen. Ich hatte Mitgefühl für die unsichere Charlie, die uns tief in ihre Gefühls- und Gedankenwelt blicken lässt. Sie besitzt ein nur geringes Selbstwertgefühl, findet sich faul und hässlich und ist gleichzeitig gefangen in ihrem Zorn. Seit ihrer Pubertät versucht sie immer wieder, ein besserer Mensch zu werden. Mit Valentin an ihrer Seite fühlt sie sich endlich wie ein besserer Mensch, möchte nur bei ihm sein, alles andere wird zur Nebensache. Sie lehnt seinetwegen sogar eine Stelle in einer Forschungsgruppe in Madrid ab.

Sehr gut gefallen hat mir die Beschreibung der Gruppenarbeit und Gespräche innerhalb des Antiaggressionsprogramms. Hier werden unterschiedliche Frauenschicksale und verschiedene Facetten von Gewalt in Beziehungen intensiv beschrieben.
Die mitreißende Geschichte, in der es neben Liebe und weiblicher Gewalt auch um emotionale Abhängigkeit geht, ist mir unter die Haut gegangen und wird mich noch länger beschäftigen.

Absolute Leseempfehlung für dieses großartige Debüt!