Beziehungsmonster
„Valentin akzeptierte Charlie so, wie sie war. Sie war eben aufbrausend. Sie hatte ihren Stolz. Na und? Valentin konnte damit umgehen. Wenn sie wütend wurde, sah er praktisch durch sie hindurch, und am nächsten Tag konnten sie weitermachen, als wäre nichts geschehen. Er nahm ihre Entschuldigungen an. Er sagte zwar nichts dazu, aber sie merkte es auch so.“ (S. 105)
Valentin tritt durch einen schnöden Zufall in Charlies Leben: kurze Begegnung, Blickkontakt – und plötzlich ist alles rosa Watte. Sie verlieben sich. Valentin trennt sich von seiner Freundin. Es fühlt sich nach dieser einen großen, schicksalhaften Liebe an. Nach „für immer“. Doch das Zuckerguss-Gefühl hält nicht lange.
Was als Nähe beginnt, kippt ruckartig in Abhängigkeit. Charlie klammert sich an Valentin, als hinge ihr eigenes Dasein an seiner Anwesenheit. Jeder Schritt, den er ohne sie macht, wird zur Kränkung. Erst sind es Kontrollanrufe. Dann Nachrichten. Dann Vorwürfe. Und irgendwann ist es ihre Hand in seinem Gesicht.
Charlie hat das Gefühl, sich ohne Valentin aufzulösen. Nicht zu existieren, wenn er nicht da ist. Eifersucht und Verlustangst tragen in ihr einen Kampf aus, der sich ins Außen entlädt.
In "Gelbe Monster" haben wir es mit einer Dynamik zu tun, wie wir sie aus zahllosen Erzählungen kennen – nur meist andersherum. Dort gilt sie oft als romantisch, als Ausdruck großer Leidenschaft. Hier wird sie unangenehm. Und genau das ist der Punkt. Was das Buch so stark macht, ist diese Ambivalenz. Charlie ist keine klassische Sympathieträgerin. Sie ist verletzend, selbstgerecht, unsicher, wütend. Und gleichzeitig spürt man ihre Verzweiflung, ihre Sehnsucht nach Halt, ihre Angst, allein zu sein. Leinemann erlaubt ihr, widersprüchlich zu sein – und zwingt uns, das auszuhalten.
Clara Leinemann erzählt diese Geschichte ohne erhobenen Zeigefinger. Und vor allem ohne Gegenrechnung. Es gibt hier keine Gegenüberstellung von männlicher und weiblicher Gewalt, kein „Was ist schlimmer?“, kein Relativieren. Die Gewalt steht für sich. Alles andere müssen die Lesenden in ihrem Kopf regeln. Und so habe ich mir die Fragen gestellt: Wie hoch ist der Anteil an Männern, die ein Antiaggressionstraining absolvieren? Wie oft muss Mann schlagen, um als aggressiv zu gelten und ab wann zählt das für Frauen? Ist Charlie ein "schlechter Mensch" und wer entscheidet das? "Das Opfer entscheidet darüber, wie schlimm es ist, was du ihm angetan hast." (S. 79)
Der Text ist dabei überraschend leicht, oft lakonisch, manchmal sogar komisch. Gerade diese Leichtigkeit verstärkt die Wirkung der dunklen Themen.
Valentin tritt durch einen schnöden Zufall in Charlies Leben: kurze Begegnung, Blickkontakt – und plötzlich ist alles rosa Watte. Sie verlieben sich. Valentin trennt sich von seiner Freundin. Es fühlt sich nach dieser einen großen, schicksalhaften Liebe an. Nach „für immer“. Doch das Zuckerguss-Gefühl hält nicht lange.
Was als Nähe beginnt, kippt ruckartig in Abhängigkeit. Charlie klammert sich an Valentin, als hinge ihr eigenes Dasein an seiner Anwesenheit. Jeder Schritt, den er ohne sie macht, wird zur Kränkung. Erst sind es Kontrollanrufe. Dann Nachrichten. Dann Vorwürfe. Und irgendwann ist es ihre Hand in seinem Gesicht.
Charlie hat das Gefühl, sich ohne Valentin aufzulösen. Nicht zu existieren, wenn er nicht da ist. Eifersucht und Verlustangst tragen in ihr einen Kampf aus, der sich ins Außen entlädt.
In "Gelbe Monster" haben wir es mit einer Dynamik zu tun, wie wir sie aus zahllosen Erzählungen kennen – nur meist andersherum. Dort gilt sie oft als romantisch, als Ausdruck großer Leidenschaft. Hier wird sie unangenehm. Und genau das ist der Punkt. Was das Buch so stark macht, ist diese Ambivalenz. Charlie ist keine klassische Sympathieträgerin. Sie ist verletzend, selbstgerecht, unsicher, wütend. Und gleichzeitig spürt man ihre Verzweiflung, ihre Sehnsucht nach Halt, ihre Angst, allein zu sein. Leinemann erlaubt ihr, widersprüchlich zu sein – und zwingt uns, das auszuhalten.
Clara Leinemann erzählt diese Geschichte ohne erhobenen Zeigefinger. Und vor allem ohne Gegenrechnung. Es gibt hier keine Gegenüberstellung von männlicher und weiblicher Gewalt, kein „Was ist schlimmer?“, kein Relativieren. Die Gewalt steht für sich. Alles andere müssen die Lesenden in ihrem Kopf regeln. Und so habe ich mir die Fragen gestellt: Wie hoch ist der Anteil an Männern, die ein Antiaggressionstraining absolvieren? Wie oft muss Mann schlagen, um als aggressiv zu gelten und ab wann zählt das für Frauen? Ist Charlie ein "schlechter Mensch" und wer entscheidet das? "Das Opfer entscheidet darüber, wie schlimm es ist, was du ihm angetan hast." (S. 79)
Der Text ist dabei überraschend leicht, oft lakonisch, manchmal sogar komisch. Gerade diese Leichtigkeit verstärkt die Wirkung der dunklen Themen.