Das Monster in mir

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griseldis2000 Avatar

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Charlie muss ins Antiaggressionstraining, obwohl sie ja gar nichts wirklich „Schlimmes„ getan hat. Sie ist schließlich eine Freiwillige, keine „Gewiesene“. Noch immer möchte sie glauben, dass ihre Wut und die Neigung zu physischer und psychischer Gewalt weniger gravierend ist, als die der anderen, weiblichen Gruppenmitglieder. Dieses Leugnen gehört ganz offenkundig zur Struktur von GewalttäterInnen.
Ein selten beschriebenes Phänomen ist noch immer die weibliche Wut, der Kontrollverlust einer Frau bis hin zur körperlichen Gewalt.
In Charlie Fall richtet sich die Aggression gegen gegen den passiven Valentin, mit dem sie in einer toxischen Beziehung gefangen ist. Und natürlich auch gegen sich selbst. Ob das Liebe ist? Charlie glaubt selbst nicht daran. Und doch tut sie fast alles für diesen Mann, bemerkt dabei nie, wie besitzergreifend, manipulativ und bedrohlich sie agiert. Der Mann wehrt sich kaum. Im Gegenteil, immer wieder kehrt er zu ihr zurück.

Die Autorin beschreibt sehr glaubhaft und gekonnt die Spirale von Selbstverleugnung, Demütigung, und aufbrausender, schier unbeherrschbarer Wut, in die ihre Protagonistin gerät. Es erscheint unausweichlich, dass das eskaliert. Die atemlose Leserin wartet am Ende nur darauf, dass ein letzter Kontrollverlust schlimmste Folgen haben wird. Das Opfer Valentin -Sohn einer narzisstisch- geprägten Mutter- tut das Seine um das Spiel am Laufen zu halten.

Ein wenig schade ist es, dass wir kaum etwas erfahren darüber wie Charlie so geworden ist. Wir ahnen, dass es mit ihrer Mutter zu tun hat, aber das wird leider nur ganz kurz gestreift. Um wirklich zu gesunden, bedarf es wohl mehr als nur eines Verhaltenstrainings.

Auch am Ende möchte Charlie nicht die sein, die sie ist, sondern jemand ganz anderes, jemand der „besser“ ist.

Ganz großartig und sehr passend fand ich die Sprache, die Clara Leinemann hier findet. Ihre Zeitsprünge, endlosen Schachtelsätze und atemlosen Einschübe in die wörtliche Rede, transportieren unbändige Energie, Trauer, Getriebenheit und Inneres Chaos.

Sehr gerne gelesen.