Definitiv kein cosy read

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
ann_in_ihrer_welt Avatar

Von

„Charlie googlet schlechter Mensch, das Internet sagt: Einen schlechten Menschen erkennt man an fehlender Empathie, manipulativem Verhalten, aggressivem Verhalten, mangelnder Verantwortungsbereitschaft und fehlenden moralischen Werten.“


In Clara Leinemanns Debüt-Roman Gelbe Monster geht es um Charlie, die ich zu Beginn des Buches in einem Anti-Aggressionstraining wiederfindet, in dem sie sich zwischen den anderen Schwerverbrecherinnen fehl am Platz fühlt.
Nach und nach erfährt man in dem Buch durch gekonnte Zeitsprünge in die Vergangenheit und zurück in die Gegenwart was sie in diese Situation brachte, nämlich ihre Beziehung zu Valentin.
Die Beziehung der beiden ist geprägt von Selbstzweifeln, emotionalen Abhängigkeiten, mangelnden Selbstwertgefühlen und dem Wunsch dem Ideal einer Beziehung nachzueifern, was letzten Endes dazu führt das die Gewaltbereitschaft wächst und alles zunehmend toxischer wird.

Es war tatsächlich das erste Buch das ich gelesen habe, indem die Gewaltbereitschaft in der Beziehung von einer Frau ausgeht. Man weiß manchmal nicht, ob Charlies Verhalten teilweise gerechtfertigt ist, oder ob man sich durch die Darstellung ihrer Wahrnehmung selbst verrennt. Man verzweifelt manchmal an Valentins Verhaltensweisen, ebenso wie an Charlies Reaktionen.

Trotz des unbequemen Themas liest sich dieses Buch wirklich sehr flüssig und spannend. Durch die Zeitsprünge sammelt man nach und nach alle Informationen wie Puzzleteile zusammen, was dem Lesefluss unglaublich gut tut.

Auch die anderen Personen im Buch sind wirklich toll ausgearbeitet. Die Freundschaft zu Ella zum Beispiel ist wirklich essentiell in diesem Buch und spiegelt eine authentische und echte Freundschaft wieder.


Während man dieses Buch liest muss man sich darüber im klaren sein,
das man sich mit moralischen Werten auseinandersetzen muss,
das man die Hauptprotagonistin nicht mögen muss um sie trotzdem verstehen zu können,
das man keine komplette Geschichte bekommt, mit klaren „guten“ und „bösen“ Menschen.