Ein Debüt, das sich traut, weh zu tun
Ich habe dieses Buch praktisch in einem Zug gelesen. Nicht, weil es „leicht“ wäre, im Gegenteil. „Gelbe Monster“ ist unbequem, schmerzhaft und stellenweise richtig bitter. Aber es zieht einen hinein, und man kommt nicht mehr so leicht raus.
Im Mittelpunkt steht Charlie, Mathematikstudentin, klug, ehrgeizig und Teilnehmerin eines Antiaggressionstrainings für Frauen. Als Lesende stolpert man da zunächst. Und die Frage, wie die Protagonistin in so ein Programm kommt, trägt durch den ganzen Roman. In Einblenden in Charlies Leben entfaltet sich nach und nach, was in ihrer Beziehung mit Valentin passiert ist und das ist nicht das übliche Täter-Opfer-Schema, das man aus vielen Büchern kennt. Hier geht es um weibliche Gewalt, um Wut, um Kontrolle, um Abhängigkeit. Und das macht das Ganze so verstörend wie spannend.
Charlie ist keine Figur, die man sofort mögen kann. Sie ist egozentrisch, dramatisch, oft ungerecht und gleichzeitig unglaublich verletzlich. Ich habe mich beim Lesen immer wieder dabei ertappt, wie ich innerlich die Augen verdreht habe, um im nächsten Moment Mitleid zu empfinden. Diese Ambivalenz hält der Roman sehr gut aus. Nichts wird schön geredet, aber auch nichts platt erklärt. Man bleibt nah an Charlies Kopf und der ist ein ziemlich chaotischer Ort. Phasenweise hätte ich mir gewünscht, dass die Charakterzeichnung der Protagonistin noch schärfer herausgeschält wäre.
Was mich besonders beeindruckt hat, ist, wie Clara Leinemann Gewalt entstehen lässt. Nicht plötzlich, nicht spektakulär, sondern schleichend. Erst Worte, dann Gedanken, dann Handlungen. Nachdem man Charlie beim Lesen besser kennengelernt hat, wird in diesen Szenen schon im Vorfeld deutlich, dass das hier sicher wieder eskalieren wird. Man merkt, wie sich Frust, Kränkung und Verlustangst aufstauen, bis Charlie keinen anderen Ausdruck mehr findet als Aggression. Dass das alles aus ihrer Perspektive erzählt wird, macht die Sache noch unangenehmer, weil man ihr so dicht folgt und trotzdem weiß, das hier geht völlig in die falsche Richtung.
Der Schreibstil ist klar, schnörkellos, sehr direkt. Keine langen psychologischen Erklärungen, sondern Szenen, Erinnerungen, Gespräche. Vieles bleibt angedeutet, vor allem Charlies Vergangenheit. Aber gerade das hat für mich gut funktioniert. Man spürt, dass da ist ein riesiger Eisberg unter der Oberfläche ist und wir sehen nur die Spitze.
Das Antiaggressionstraining und die Gruppensitzungen gehören zu meinen liebsten Passagen. Die anderen Frauen, ihre Geschichten, ihre Rechtfertigungen, ihre Scham. Das alles erweitert Charlies Blick. Es geht nicht nur um sie, sondern um Strukturen von Gewalt, Macht und Kontrolle in Beziehungen.
Das Ende hat mich kalt erwischt. Kein versöhnlicher Abschluss, kein „alles wird gut“. Eher ein offener, bitterer Nachhall, der zeigt, dass Einsicht ein Anfang ist, aber keine Garantie für Veränderung.
„Gelbe Monster“ ist kein Wohlfühlbuch. Aber ein wichtiges. Eines, das wehtut, nachtönt und lange beschäftigt. Ich habe es nicht nur gelesen, ich habe mich daran gerieben. Und genau deshalb ist es für mich ein starkes Debüt und eine klare Leseempfehlung.
Im Mittelpunkt steht Charlie, Mathematikstudentin, klug, ehrgeizig und Teilnehmerin eines Antiaggressionstrainings für Frauen. Als Lesende stolpert man da zunächst. Und die Frage, wie die Protagonistin in so ein Programm kommt, trägt durch den ganzen Roman. In Einblenden in Charlies Leben entfaltet sich nach und nach, was in ihrer Beziehung mit Valentin passiert ist und das ist nicht das übliche Täter-Opfer-Schema, das man aus vielen Büchern kennt. Hier geht es um weibliche Gewalt, um Wut, um Kontrolle, um Abhängigkeit. Und das macht das Ganze so verstörend wie spannend.
Charlie ist keine Figur, die man sofort mögen kann. Sie ist egozentrisch, dramatisch, oft ungerecht und gleichzeitig unglaublich verletzlich. Ich habe mich beim Lesen immer wieder dabei ertappt, wie ich innerlich die Augen verdreht habe, um im nächsten Moment Mitleid zu empfinden. Diese Ambivalenz hält der Roman sehr gut aus. Nichts wird schön geredet, aber auch nichts platt erklärt. Man bleibt nah an Charlies Kopf und der ist ein ziemlich chaotischer Ort. Phasenweise hätte ich mir gewünscht, dass die Charakterzeichnung der Protagonistin noch schärfer herausgeschält wäre.
Was mich besonders beeindruckt hat, ist, wie Clara Leinemann Gewalt entstehen lässt. Nicht plötzlich, nicht spektakulär, sondern schleichend. Erst Worte, dann Gedanken, dann Handlungen. Nachdem man Charlie beim Lesen besser kennengelernt hat, wird in diesen Szenen schon im Vorfeld deutlich, dass das hier sicher wieder eskalieren wird. Man merkt, wie sich Frust, Kränkung und Verlustangst aufstauen, bis Charlie keinen anderen Ausdruck mehr findet als Aggression. Dass das alles aus ihrer Perspektive erzählt wird, macht die Sache noch unangenehmer, weil man ihr so dicht folgt und trotzdem weiß, das hier geht völlig in die falsche Richtung.
Der Schreibstil ist klar, schnörkellos, sehr direkt. Keine langen psychologischen Erklärungen, sondern Szenen, Erinnerungen, Gespräche. Vieles bleibt angedeutet, vor allem Charlies Vergangenheit. Aber gerade das hat für mich gut funktioniert. Man spürt, dass da ist ein riesiger Eisberg unter der Oberfläche ist und wir sehen nur die Spitze.
Das Antiaggressionstraining und die Gruppensitzungen gehören zu meinen liebsten Passagen. Die anderen Frauen, ihre Geschichten, ihre Rechtfertigungen, ihre Scham. Das alles erweitert Charlies Blick. Es geht nicht nur um sie, sondern um Strukturen von Gewalt, Macht und Kontrolle in Beziehungen.
Das Ende hat mich kalt erwischt. Kein versöhnlicher Abschluss, kein „alles wird gut“. Eher ein offener, bitterer Nachhall, der zeigt, dass Einsicht ein Anfang ist, aber keine Garantie für Veränderung.
„Gelbe Monster“ ist kein Wohlfühlbuch. Aber ein wichtiges. Eines, das wehtut, nachtönt und lange beschäftigt. Ich habe es nicht nur gelesen, ich habe mich daran gerieben. Und genau deshalb ist es für mich ein starkes Debüt und eine klare Leseempfehlung.