Ein Roman über emotionale Abhängigkeit und innere Konflikte.

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easymarkt3 Avatar

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Der Buchtitel und das Cover mögen sich symbolisch beziehen auf das 𝘉𝘭𝘶𝘮𝘦𝘯𝘮𝘶𝘴𝘵𝘦𝘳 der alten gelben Tapete in der Wohnung der Hauptfigur Charlie, 𝘸𝘪𝘦 𝘒𝘰̈𝘱f𝘦 𝘬𝘭𝘦𝘪𝘯𝘦𝘳 𝘔𝘰𝘯𝘴𝘵𝘦𝘳 wirkend. Sie stehen stellvertretend für die vielen inneren Konflikte, ihrer emotionalen Erwartungshaltung, ihrer Wut und fehlenden Selbstsicherheit. Diese junge PhD-Studentin für Mathematik mit dissozialem Verhalten und innerer Leere findet sich als Ich-Erzählerin auf einer von mehreren Erzählebenen zunächst in einem Anti-Aggressionstraining für Frauen wieder. Charlies Amour fou mit dem Literaturstudenten Valentin zeigt sie verletzt wie ein Gewaltopfer, was in weiteren Vor- und Rückblenden in diversen Szenarien enträtselt wird. Ihre zunächst liebevolle Liaison versinkt in eine obsessive Beziehung mit zunehmenden Übergriffen ihrerseits, mit Ohrfeigen und Wutausbrüchen gegenüber Valentin bis zu selbstzerstörerischer Gewalt. Welche Erlebnisse aus ihrer Kindheit im Zusammenhang mit ihrer Mutter zu dieser destruktiven Selbstabwertung, ihrer mangelnden Selbstliebe und Unsicherheit geführt haben, bleibt unklar. Thematisiert werden auch die gewichtige, enge Freundschaft mit Ella, das Patriarchat als Auslöser weiblicher Gewalt und nur sehr subtil das problematische Verhalten des Partners Valentin. Die Therapiesitzungen in ihrer Vielseitigkeit regen zum Nachdenken an. Die vielen Zeitsprünge mit einzelnen Puzzleteilen sind nicht klar durch Kapitel voneinander getrennt. In diesem doch ungewöhnlichen Setting mit der jungen, intelligenten, angehenden Mathematikerin wirkt die monatelange Vernachlässigung ihrer Doktorarbeit und vor allem die Absage der ihr angebotenen wissenschaftlichen Stelle in Madrid sehr unrealistisch, denn vor allem die Chance auf ein erneutes Angebot einer solchen interessanten beruflichen Position ist rar.
Das schwierige Thema von Charlies Amour fou berührt.