Ein Schlag ins Herz

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Rezension zu "Gelbe Monster" von Clara Leinemann

Eigentlich kaum zu fassen, dass es sich hier um einen Debütroman handelt! Denn wie die Autorin es schafft, ihre Hauptprotagonistin "Charlie" darzustellen, ihren Charakter im genau richtigen Tempo zu zeichnen und dabei so viel Spannung aufzubauen, dass man sich als Leser:in wirklich erst ganz am Schluss sicher ist, wer Charlie nun wirklich ist - das ist bemerkenswert und ganz großes Lese-Kopf-Kino!

Inhaltlich geht es um weibliche Gewalt, ihre Beweggründe und wie wir als Gesellschaft damit umgehen. Um Limerenz, toxische Beziehungen und Gaslighting. Außerdem noch um den Wert von Freundschaft, die Folgen von Ausgrenzung und um Ehrlichkeit und Selbstdarstellung.
Große Themen, die von der junge Autorin aber mit einer Leichtfüßigkeit und Klarheit abgehandelt werden, die ich beeindruckend finde.

Man findet total schnell in die Geschichte hinein.
Am Anfang weiß man als Leser:in nur, dass Charlie eine Gewalttat ihrem Exfreund gegenüber begangen hat und deshalb an einem Anti-Gewalt-Gruppen-Programm muss, damit ihre beste Freundin sie weiterhin bei sich wohnen lässt.
Ab diesem Moment wechseln sich die Kapitel, die in der Gegenwart spielen mit Vergangenheits-Kapiteln ab, die sich dann sukzessive annähern, bis wir erst ganz am Ende erfahren, was tatsächlich passiert ist und auch Gelegenheit bekommen über die Täter- und Opferrollen und deren Stigmatisierung nachzudenken.

Von der ersten bis zur letzten Seite zieht sich eine enorme Spannung durch die Geschichte. Man will einfach wissen, was da alles passiert ist und je mehr Infos man bekommt, desto schwieriger ist es mir persönlich gefallen, bei meiner anfänglich vorgefassten Meinung zu bleiben...

Besonders gefallen hat mir die nackte Ehrlichkeit und Authentizität mit der Charlie und ihre Gedanken- und Gefühlswelt geschildert wird. Manchmal hat es mir fast weh getan beziehungsweise hatte ich ein Gefühl von Fremdscham, wenn sie einem Mann hinterher rennt und sich Dinge schön redet, die objektiv betrachtet unendlich toxisch und schlecht sind. Aber so ist es eben oft, wenn man verliebt ist. Ich denke, dass viele Menschen sich mit Charlies Schicksalsschlägen identifizieren können.