Female rage

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maluli Avatar

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"Gelbe Monster" ist ein Titel, der mich mitsamt seinem Cover erst einmal überhaupt nicht angesprochen hat. Umso mehr dann aber das Thema weibliche Wut und Gewalt - ein Tabu, über das unbedingt gesprochen werden muss.
Der Roman beginnt damit, dass die Protagonistin Charlie sich bei einem Antiaggressionstraining für gewalttätige Frauen anmeldet. Auf den ersten Blick würde man ihr so ein Verhalten überhaupt nicht zutrauen. Sie ist eine junge Doktorandin der Mathematik und scheint ein ganz normales Leben zu haben. Aber wem trauen wir Gewalt eigentlich zu? Wie sehen typische Gewalttäter*innen denn aus?
Das Buch wechselt zwischen der Gegenwart und einer Vergangenheit, in der wir ihre Beziehung zu Valentin von Anfang an kennenlernen.
Charlie steigert sich oft in negative Gefühle oder Minderwertigkeitskomplexe hinein, was sich in dem einen oder anderen Gedankenfluss äußert, gleichzeitig liest sich das Buch überhaupt nicht anstrengend, sondern ist eher eine schnelle, unterhaltsame Lektüre. Allerdings war ich beim Lesen manchmal so wütend auf Valentin, dass ich am liebsten selbst Streit mit irgendeinem Mann angezettelt hätte, denn leider kenne ich auch genügend Valentins (und wie sie noch alle heißen). Es war interessant, wie ich (als Person, die jede Form der Gewalt kategorisch ablehnt) sehr viel Verständnis für die Taten von Charlie und den anderen Frauen im Antiaggressionstraining aufbringen konnte bzw dachte: das war doch gerechtfertigt angesichts des Leids, dass sie selbst erfahren mussten.
"Gelbe Monster" ist gute Unterhaltung, die sehr zum Nachdenken anregt und von Anfang bis Ende spannend ist und Fragen aufwirft, die man auch in einem Buchclub sehr gut diskutieren könnte.