Frauengewalt
„Gelbe Monster“ ist ein Buch über eine Frau, die man nicht sofort ins Herz schließt. Charlie ist eine typische Anti-Heldin. Sie zweifelt an sich, kennt keine Selbstliebe und sieht ihre eigenen Fehler lange nicht. Es fällt schwer, sie sympathisch zu finden oder ihr Handeln nachzuvollziehen. Auf Drängen von ihrer besten Freundin Ella muss Charlie an einem Antiaggressionstraining für Frauen teilnehmen. Besonders spannend ist Charlies Auseinandersetzung mit sich selbst und den anderen Teilnehmerinnen. Sie weigert sich lange, sich als Täterin zu sehen. Schritt für Schritt beginnt sie jedoch zu verstehen, was sie getan hat aufgrund ihrer obsessiven und toxischen Liebe. Gewalt in einer Beziehung fängt nicht immer mit sichtbaren Verletzungen an. Oft beginnt sie leise und schleichend – mit Worten, Kontrolle und emotionalem Druck. Der Schreibstil ist flüssig und sprachlich wirklich solide. Trotz – oder gerade wegen – der schwierigen Hauptfigur kann man das Buch kaum aus der Hand legen. Für mich eine absolute Leseempfehlung.