Kluges Buch zu wichtigem Thema

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vo.nicole Avatar

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Clara Leinemann erzählt in „Gelbe Monster“ von Charlie, einer Mathematikstudentin, die nach einer eskalierten Beziehung mit einem blauen Auge und vielen offenen Fragen in einem Antiaggressionstraining für Frauen landet. Zwischen Rückblicken auf die Beziehung zu ihrem Exfreund Valentin und den Gesprächen in der Gruppe beginnt Charlie, ihre eigene Geschichte neu zu betrachten.

Besonders gefallen hat mir das Thema des Romans: weibliche Wut, Gewalt von Frauen in Beziehungen und emotionale Abhängigkeiten stehen hier im Mittelpunkt. Ein Blickwinkel, den ich so bisher noch nicht oft literarisch gelesen habe und der mich sehr zum Nachdenken gebracht hat. Der Schreibstil ist flüssig, nüchtern und zugleich sehr eindringlich. Die Kürze des Buches, die kurzen Kapitel und die wechselnden Zeitebenen sorgen für ein hohes Tempo und einen durchweg hohen Spannungsbogen. Stück für Stück wird klar, was Charlie getan hat und genau dieses Enthüllen über das gesamte Buch hinweg hat mich oft innehalten lassen, weil man ihre innere Anspannung und Eskalationsbereitschaft deutlich spürt.

Mit Charlie selbst konnte ich mich zwar nicht vollständig identifizieren, sie war mir aber in ihrer Widersprüchlichkeit sympathisch und viele ihrer Gedankenmuster ließen sich zumindest nachvollziehen. Gleichzeitig hätte ich mir stellenweise mehr Tiefe gewünscht, vor allem im Hinblick auf die angedeutete traumatische Kindheit und die Hintergründe ihres Handelns. Hier blieb für mich das „Warum?“ etwas zu offen. Der Titel „Gelbe Monster“ fügt sich am Ende sehr stimmig in das Gesamtbild ein und das Ende des Buches fand ich passend.

Alles in allem ist „Gelbe Monster“ ein kluges Buch mit einem wichtigen Thema, das lange nachhallt mit nur kleinen Schwächen in der Tiefe.