Löst kognitive Dissonanz aus

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theblackswan Avatar

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Dieses Buch tut für mich vor allem eins: es wirft extrem viele moralische Fragen auf - an die eigenen Grundsätze, an Ethik und Moral ganz allgemein. Die Protagonistin Charlie hat mich teilweise extrem getestet. Vor allem am Anfang verargumentiert sie was passiert ist, sie relativiert das objektiv Falsche und sie versucht uns Leser:innen subtil durch ihre Gedankenwelt auf ihre Seite zu sehen. Sie baut ihre eigene Kleine Welt und konstruiert eine Geschichte, mit der sie und und sich uberzeugen will. Die Gedankengänge sind dabei meiner Meinung nach schon realistisch gehalten, wenn auch unangenehm zu lesen - wie sie sich von den anderen Frauen abgrenzt, wie sie Valentin romantisiert, wie sie ihre Freundinnen und andere Frauen sieht. Deshalb ist es zwar nervig aber auch so wichtig, dass wir uns quasi in ihrem Kopf befinden, das ist Absicht um unsere eigenen moralischen Grenzen zu testen.

Was dazu noch interessant ist: das Buch zeichnet kein schwarz-weiß Täterinnenbild, durch die Perspektive wird nicht scharf verurteilt sondern es wird Nuance gezeigt, die es in diesen Themen leider gibt. Das war für mich sehr schmerzhaft zu lesen, zeigt aber auch wie wichtig diese Sichtweise ist. Die Beziehung zwischen Charlie und Valentin ist von Anfang an beidseitig sehr toxisch - das entschuldigt nichts, setzt es aber in einen nötigen Kontext. Hier wird nicht ausgeklammert was es heißt, eine Frau in der aktuellen Gesellschaft zu sein, auch wenn sie sich falsch verhält und das ist ein absolut interessanrer Punkt.

Ein Buch, auf das man gefasst sein muss, das für mich schmeezhaft, nervig und augenöffnend war und vor allem ganz anders, als man es erwartet.