Perspektivwechsel

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minoka Avatar

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„Gelbe Monster“ von Clara Leinemann hat mich vor allem wegen eines Aspekts nicht losgelassen: dem Perspektivwechsel.

Hier geht es nicht um die klassische Erzählung von Gewalt – sondern um eine, die man so deutlich seltener sieht. Und genau das macht es stellenweise so unangenehm. Die Dynamik zwischen Charlie und ihrem Partner ist von Anfang an schief, aufgeladen, toxisch – und wird mit jeder Seite schwerer auszuhalten.

Ich habe mich beim Hören oft dabei erwischt, wie ich genervt war von Charlie, wie ich ihre Entscheidungen hinterfragt habe und trotzdem nicht weg konnte. Gerade diese Mischung aus Abhängigkeit, Wut und Selbsttäuschung fühlt sich erschreckend real an.

Was für mich viel dazu beigetragen hat: das Hörbuch. Durch die Sprecherin wurden Charlies Gedanken so direkt und greifbar, dass ich komplett drin war – selbst dann, wenn ich innerlich längst Abstand nehmen wollte.

Der Perspektivwechsel auf häusliche Gewalt aus weiblicher Sicht ist unbequem und fordert heraus, ohne einfache Antworten zu liefern. Genau das bleibt hängen.