Toxisch, anstrengend – nicht ganz meins

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annaaa Avatar

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In Gelbe Monster begleitet man die Mathematikstudentin Charlie, die nach einem eskalierten Streit mit ihrem Exfreund Valentin zu einem Antiaggressionstraining für Frauen muss. Während sie versucht, ihre Sicht der Beziehung zu rechtfertigen, wird Stück für Stück deutlich, wie toxisch die Dynamik zwischen ihr und Valentin wirklich war – und welchen Anteil sie selbst daran hatte.
Schon zu Beginn hatte ich große Schwierigkeiten mit Charlie. Ihr Verhalten wirkte auf mich oft übergriffig, unselbstständig und wenig reflektiert. Besonders Szenen, in denen sie Valentins Grenzen nicht akzeptiert, haben mich eher frustriert als mitfühlen lassen. Gleichzeitig ist aber auch Valentin alles andere als sympathisch – durch sein Verhalten, trägt auch er seinen Teil zur toxischen Beziehung bei.
Im Verlauf der Geschichte konnte ich Charlies Wut stellenweise etwas besser nachvollziehen, vor allem als mehr Hintergrundinformationen dazukamen. Trotzdem blieb für mich vieles schwer greifbar. Ihre Reaktionen wirkten oft überzogen und ihre Selbstreflexion kam mir zu kurz. Insgesamt konnte ich keine wirkliche Verbindung zu den Figuren aufbauen – sympathisch war für mich eigentlich niemand.
Die Beziehung zwischen Charlie und Valentin wirkt von außen durchgehend toxisch. Man hat beim Lesen ständig das Bedürfnis, beide wachzurütteln und ihnen klarzumachen, dass sie sich gegenseitig nicht guttun. Genau darin liegt vermutlich auch die Stärke des Buches: Es zeigt sehr ungeschönt und realistisch, wie destruktiv Beziehungen sein können – ohne klare Täter-Opfer-Zeichnung.
Der Schreibstil ist dabei sehr flüssig und die kurzen Kapitel machen das Buch gut lesbar. Allerdings haben mich die Zeitsprünge teilweise etwas rausgebracht und die emotionale Tiefe hat mir stellenweise gefehlt.
Insgesamt ein Buch, das sicher bewusst unbequem ist und wichtige Themen anspricht, mich persönlich aber emotional nicht wirklich erreichen konnte. Anstrengend, stellenweise nervig – aber definitiv anders.