Von weiblicher Wut und gescheiterten Beziehungen

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xmalwina Avatar

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„Das alles hier hat sie gemacht. Sie hat den Tisch zertrümmert, die Badezimmertür eingetreten, das Regal umgeworfen, sie hat sich die Hand gebrochen, sie hat sich selbst das Gesicht blutig gehauen, sie hat die Stühle kaputt gemacht, die Teller durch die Gegend geworfen.“
- S. 174

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Protagonistin Charlie ist auf dem Weg zu einem Antiaggressionstraining für Frauen, dabei gehört sie dort doch gar nicht hin, denkt sie. Sie kann nichts dafür, dass Valentin sie immer so schlecht behandelt und zur Weißglut gebracht hat, denkt sie. Es war doch Liebe, dachte sie. Bis es eben keine mehr war.

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Clara Leinemanns Roman ist keine 200 Seiten lang und lag mir beim Lesen doch wie ein echtes Schwergewicht im Magen. Es fühlte sich an vielen Stellen so an, wie Zeugin eines Autounfalls zu werden:

Man sah Protagonistin Charlie auf den Abgrund zu rasen, nahm fast atemlos war, wie sie und Valentin nur das Schlechteste ineinander hervorbrachten und doch keine:r von ihnen Konsequenzen daraus zog. Sie beide waren gewalttätig in ihrer Beziehung, Charlie irgendwann physisch. Ihre immer gleichen Versuche, das zu legitimieren, taten weh. Ich hätte sie an so vielen Stellen gern geschüttelt, habe so oft die Augen beim Lesen verdreht. Für mich war sie leider nicht die sympathische Antiheldin, die der Klappentext versprochen hatte, sondern wenig in der Verantwortung für sich selbst, ihre Handlungen, ihre Entscheidungen. Trotz allem oder gerade deswegen war ich froh, dass sie Ella an ihrer Seite hatte; die einzige Figur im Buch, die ich wirklich gerne mochte.

Und vielleicht lag darin die große Stärke der gelben Monster, vielleicht sollte das alles so: Die Romanfiguren waren schmerzhaft realistisch und machten Fehler, die echte Menschen tagtäglich begehen. In wie vielen Beziehungen sind wir schon geblieben, obwohl wir genau wussten, wir hätten längst gehen sollen? Wie viele Freund:innen fallen uns ein, die sich viel zu lange in toxischen Partnerschaften bewegt haben? Wie oft waren wir selbst die (gelben) Monster?

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Clara Leinemann hielt uns allen einen Spiegel vor, erzählte in einer fast schwerelosen Sprache von Fehlern und Selbsttäuschung, von Freundschaft, Liebe und Gewalt und allen Nuancen dazwischen. Dieses Buch war so schonungslos, wie es echt war, und ich glaube, ich werde noch immer wieder daran denken.

3,5 von 5 ✨