Wenn die Wut übernimmt

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
sophia95 Avatar

Von

Der Roman "Gelbe Monster" beginnt damit, dass die Protagonistin Charlie in der Bahn sitzt und "schlechter Mensch" googelt. Denn sie fragt sich, ob sie selbst einer ist. Wir erfahren, dass Charlie Mathematikstudentin und auf dem Weg zu einem Antiaggressionstraining ist.

Charlies Geschichte wird in vielen kleinen Kapiteln erzählt, die zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her springen. Diese Erzählweise verstärkt das Gefühl, komplett in Charlies Perspektive zu stecken, in diesem wabernden Dazwischen-Zustand, zwischen der Eskalation und dem Jetzt. Und vor allem merkt man: Charlie ist unsicher. Sie wäre eigentlich lieber irgendjemand anderes, aber am wenigsten sie selbst. Genau diese Unsicherheit treibt und bindet sie in und an die Beziehung zu Valentin. Er ist ihr Halt, ihre Bestätigung. Von ihm macht sie alles abhängig. Liebt er sie, geht es ihr gut. Ist er kühl und abweisend, kommen die negativen Gedanken - und mit ihnen die Wut.

Ich fand "Gelbe Monster" einen wirklich sehr spannenden Roman. Vor allem weil ich das Thema weibliche Wut und Gewalt so noch nicht wirklich in einem anderen Roman kennengelernt habe. Ich mochte die nüchterne Sprache, da sie für mich, genau wie die kurzen Kapitel, irgendwie das Wesen von Charlie widerspiegeln, ihre Affinität für Mathematik und das Analytische in ihrer Art. Dennoch habe ich etwa ab der Hälfte bemerkt, dass mir dennoch an der einen oder anderen Stelle ein wenig der Tiefgang gefehlt hat, das Warum hinter den Taten, Charlies eigener Hintergrund. Mir hat noch ein bisschen mehr die Verbindung zu ihr als Protagonistin gefehlt, da ich sie bisweilen eher auch anstrengend fand.

Dennoch kann ich "Gelbe Monster" sehr empfehlen, allein wegen der Thematik und weil es insgesamt ein sehr kurzweiliges Buch ist.