Wenn Nähe zerbricht

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Das Cover von Geschwister wirkt auf den ersten Blick ruhig, fast sommerlich und unschuldig: drei Kinder am Wasser, helle Farben, eine scheinbar friedliche Erinnerung. Gerade dieser Kontrast zur Leseprobe macht es so wirkungsvoll, denn unter der Oberfläche dieser Familie brodelt etwas, das längst nicht mehr heil ist.
Schon der Prolog hat mich sofort gepackt. Die drei Geschwister sitzen bei der Beerdigung nebeneinander, und doch ist die Distanz zwischen ihnen beinahe körperlich spürbar. Besonders stark finde ich, wie Moa Herngren mit wenigen, präzisen Beobachtungen zeigt, dass Trauer hier nicht verbindet, sondern alte Risse sichtbar macht. Der Brief, die Vorladung, die Anzeige durch die eigenen Geschwister – das ist ein leiser, aber ungeheuer wirkungsvoller Schlag.
Andrea wirkt in den ersten Kapiteln sehr nahbar: pflichtbewusst, erschöpft, liebevoll und zugleich gefangen in der Rolle derjenigen, die alles zusammenhält. Wie sie spätabends eine Torte für ihre Mutter vorbereitet, obwohl sie selbst längst am Limit ist, erzählt viel über sie und über diese Familie.
Ich würde das Buch sehr gerne weiterlesen, weil die Leseprobe eine kluge, fein beobachtete und emotional schmerzhafte Familiengeschichte verspricht – über Geschwister, alte Verletzungen, unausgesprochene Erwartungen und die Frage, wann Fürsorge zur Last wird.