Absolute Leseempfehlung: vielschichtige Familiendynamiken unter Geschwistern
„Urteile nicht über jemanden, in dessen Schuhen du nicht selbst gewandert bist ...“ - Dieser Spruch stammt nicht aus Moa Herngrens neuem Roman ‚Geschwister‘, beschreibt für mich aber sehr vieles, was in diesem Buch passieren wird…
Die drei Geschwister Andrea, Ulrika und Rasmus haben nach dem tragischen Verlust ihres Vaters Olle jeweils einen schweren Rucksack zu tragen. Zwischen funktionierendem Alltag, Kindererziehung, Partnerschaften und Freundschaften versuchen sie, ihre Trauer zu bewältigen. Obwohl sie längst erwachsen sind und auf eigenen Beinen stehen, wirft sie dieser Schicksalsschlag auf unterschiedliche Weise in ihre Kindheit zurück. Alle suchen die Nähe ihrer Mutter Lotten. In den Begegnungen treten verschiedenste Familiendynamiken, Konflikte und alte Verletzungen wieder zutage.
Jedem der drei Geschwister ist ein eigener Buchabschnitt gewidmet, und wir erleben die Zeit rund um Olles Tod aus ihren unterschiedlichen Perspektiven. Dabei wird schnell deutlich, dass alle drei nicht nur verschiedene Sichtweisen, sondern auch unterschiedliche Wissensstände haben. Genau darin liegt die große Stärke und Spannung des Buches. Das Bild davon, wie die Familie Edman funktioniert und wie die Beziehungen zueinander stehen, verändert sich gleich mehrfach. Man lernt die Figuren immer wieder neu kennen. Durch diese drei Blickwinkel in drei unterschiedliche Leben einzutauchen, ist unglaublich faszinierend. Was man zunächst verurteilt, betrachtet man später mit Mitgefühl. Und für manches, das einem zunächst sympathisch erschien, schämt man sich einige Seiten später beinahe selbst.
Obwohl der Blick dreimal auf einen ähnlichen Zeitraum gerichtet wird, wird die Geschichte nicht einfach wiederholt erzählt. Stattdessen füllen die einzelnen Perspektiven die Lücken der anderen und ergänzen sich zu einem immer vollständiger werdenden Bild. Genau an diesem Punkt wurde das Buch für mich besonders stark. Wir alle haben einen unterschiedlichen Fokus im Leben, andere Prioritäten und verschiedene Sichtweisen. Was der eine unbedacht sagt, kann einen anderen tief verletzen. Oft fehlt das gegenseitige Verständnis, weil wir uns zu wenig in das Leben anderer hineinversetzen und ihre Schuhe nicht selbst tragen.
Diese Dynamik fängt das Buch unheimlich gut und stellenweise fast schon bedrückend ein. Wahrscheinlich kennen wir solche Situationen alle aus Beziehungen, Freundschaften oder der eigenen Familie. Unter Geschwistern jedoch, die viele Jahre eng miteinander verbunden waren und deren Beziehung von einer ganz besonderen emotionalen Tiefe geprägt ist, wirkt all das noch intensiver. Mich hat das Buch an manches Stellen ein wenig nachdenklich gemacht.
Ich mochte den Schreibstil sehr, insbesondere alles, was das Buch sowohl offensichtlich als auch zwischen den Zeilen transportiert. Mit seinen knapp 600 Seiten ist es zwar ein eher umfangreicher Roman, und auch die Perspektiven der drei Geschwister wirken anfangs teilweise sehr ausführlich. Rückblickend wird jedoch deutlich, dass genau diese Ausführlichkeit notwendig ist, damit das Buch seine volle Wirkung entfalten kann.
Die drei Geschwister Andrea, Ulrika und Rasmus haben nach dem tragischen Verlust ihres Vaters Olle jeweils einen schweren Rucksack zu tragen. Zwischen funktionierendem Alltag, Kindererziehung, Partnerschaften und Freundschaften versuchen sie, ihre Trauer zu bewältigen. Obwohl sie längst erwachsen sind und auf eigenen Beinen stehen, wirft sie dieser Schicksalsschlag auf unterschiedliche Weise in ihre Kindheit zurück. Alle suchen die Nähe ihrer Mutter Lotten. In den Begegnungen treten verschiedenste Familiendynamiken, Konflikte und alte Verletzungen wieder zutage.
Jedem der drei Geschwister ist ein eigener Buchabschnitt gewidmet, und wir erleben die Zeit rund um Olles Tod aus ihren unterschiedlichen Perspektiven. Dabei wird schnell deutlich, dass alle drei nicht nur verschiedene Sichtweisen, sondern auch unterschiedliche Wissensstände haben. Genau darin liegt die große Stärke und Spannung des Buches. Das Bild davon, wie die Familie Edman funktioniert und wie die Beziehungen zueinander stehen, verändert sich gleich mehrfach. Man lernt die Figuren immer wieder neu kennen. Durch diese drei Blickwinkel in drei unterschiedliche Leben einzutauchen, ist unglaublich faszinierend. Was man zunächst verurteilt, betrachtet man später mit Mitgefühl. Und für manches, das einem zunächst sympathisch erschien, schämt man sich einige Seiten später beinahe selbst.
Obwohl der Blick dreimal auf einen ähnlichen Zeitraum gerichtet wird, wird die Geschichte nicht einfach wiederholt erzählt. Stattdessen füllen die einzelnen Perspektiven die Lücken der anderen und ergänzen sich zu einem immer vollständiger werdenden Bild. Genau an diesem Punkt wurde das Buch für mich besonders stark. Wir alle haben einen unterschiedlichen Fokus im Leben, andere Prioritäten und verschiedene Sichtweisen. Was der eine unbedacht sagt, kann einen anderen tief verletzen. Oft fehlt das gegenseitige Verständnis, weil wir uns zu wenig in das Leben anderer hineinversetzen und ihre Schuhe nicht selbst tragen.
Diese Dynamik fängt das Buch unheimlich gut und stellenweise fast schon bedrückend ein. Wahrscheinlich kennen wir solche Situationen alle aus Beziehungen, Freundschaften oder der eigenen Familie. Unter Geschwistern jedoch, die viele Jahre eng miteinander verbunden waren und deren Beziehung von einer ganz besonderen emotionalen Tiefe geprägt ist, wirkt all das noch intensiver. Mich hat das Buch an manches Stellen ein wenig nachdenklich gemacht.
Ich mochte den Schreibstil sehr, insbesondere alles, was das Buch sowohl offensichtlich als auch zwischen den Zeilen transportiert. Mit seinen knapp 600 Seiten ist es zwar ein eher umfangreicher Roman, und auch die Perspektiven der drei Geschwister wirken anfangs teilweise sehr ausführlich. Rückblickend wird jedoch deutlich, dass genau diese Ausführlichkeit notwendig ist, damit das Buch seine volle Wirkung entfalten kann.