Alles eine Frage der Perspektive
Es ist lange her, dass mich eine Familiengeschichte so begeistert hat. Die von Autorin Moa Herngren aufgebaute dichte Atmosphäre entwickelt schnell eine absolute Sogwirkung. Am meisten fasziniert haben mich bei „Geschwister“ aber die extrem gelungenen Perspektivwechsel, die ermöglichen, Teile der komplexen Geschichte aus einem anderen Blickwinkel zu erleben. Sie lassen Gewissheiten zerbröseln und zeigen, dass jeder Mensch in seiner ganz eigenen Blase lebt.
Die Geschwister Ulrika, Andrea und Rasmus treffen sich im Prolog auf einer Beerdigung und schnell wird klar, dass irgendetwas vollkommen im Argen liegt. Aber dann geht es auch schon los mit dem ersten Teil des Buches, der komplett aus Sicht der mittleren Schwester Andrea geschildert ist: Anfang 40, erfolgreiche Architektin, Mutter einer Tochter und offensichtlich die Patente in der Familie. Seit dem überraschenden Tod des Vaters vor gut einem Jahr versucht sie, alles am Laufen zu halten, unterstützt die überforderte Mutter und treibt sowohl ihre ältere Schwester als auch ihren jüngeren Bruder an, weil beide alleine kaum etwas auf die Reihe kriegen. Oder? Dass Andrea dabei leicht übergriffig agiert, kann man ihr kaum übelnehmen – sie reißt sich im Gegensatz zu ihren Geschwistern schließlich ein Bein aus. Dass Ulrika die Dinge etwas anders sieht, überrascht nicht. Moa Herngren arbeitet fein nuanciert ihre Perspektive heraus, erzählt einiges noch einmal aus Ulrikas Blickwinkel, lässt weg, ergänzt und hat mich sehr nachdenklich gemacht. Und dann ist da noch Rasmus, der 33-jährige Bruder. Er erscheint zunächst blass, sein Buchteil ist der kürzeste. Zunächst habe ich mich gefragt, was er nun überhaupt noch beisteuern könnte, aber diese Überlegung hat sich schnell erübrigt.
„Geschwister“ besticht durch die grundverschiedenen Charaktere, die alle auf ihre Art und Weise Recht zu haben scheinen. Die Autorin führt faszinierend vor Augen, wie schwierig Kommunikation sein kann; auch oder gerade innerhalb der Familie. Es geht aber auch um Familien-Traumata, wie Eltern unbewusst und unwissentlich die Weichen für ihre Kinder stellen und die Frage, wie man sich von der Vergangenheit lösen kann. Am Ende des Romans wissen die Leserinnen und Leser mehr über die Familie Edman als die einzelnen Mitglieder selbst. Mich hat die Geschichte immens gefesselt und beschäftigt.
Die Geschwister Ulrika, Andrea und Rasmus treffen sich im Prolog auf einer Beerdigung und schnell wird klar, dass irgendetwas vollkommen im Argen liegt. Aber dann geht es auch schon los mit dem ersten Teil des Buches, der komplett aus Sicht der mittleren Schwester Andrea geschildert ist: Anfang 40, erfolgreiche Architektin, Mutter einer Tochter und offensichtlich die Patente in der Familie. Seit dem überraschenden Tod des Vaters vor gut einem Jahr versucht sie, alles am Laufen zu halten, unterstützt die überforderte Mutter und treibt sowohl ihre ältere Schwester als auch ihren jüngeren Bruder an, weil beide alleine kaum etwas auf die Reihe kriegen. Oder? Dass Andrea dabei leicht übergriffig agiert, kann man ihr kaum übelnehmen – sie reißt sich im Gegensatz zu ihren Geschwistern schließlich ein Bein aus. Dass Ulrika die Dinge etwas anders sieht, überrascht nicht. Moa Herngren arbeitet fein nuanciert ihre Perspektive heraus, erzählt einiges noch einmal aus Ulrikas Blickwinkel, lässt weg, ergänzt und hat mich sehr nachdenklich gemacht. Und dann ist da noch Rasmus, der 33-jährige Bruder. Er erscheint zunächst blass, sein Buchteil ist der kürzeste. Zunächst habe ich mich gefragt, was er nun überhaupt noch beisteuern könnte, aber diese Überlegung hat sich schnell erübrigt.
„Geschwister“ besticht durch die grundverschiedenen Charaktere, die alle auf ihre Art und Weise Recht zu haben scheinen. Die Autorin führt faszinierend vor Augen, wie schwierig Kommunikation sein kann; auch oder gerade innerhalb der Familie. Es geht aber auch um Familien-Traumata, wie Eltern unbewusst und unwissentlich die Weichen für ihre Kinder stellen und die Frage, wie man sich von der Vergangenheit lösen kann. Am Ende des Romans wissen die Leserinnen und Leser mehr über die Familie Edman als die einzelnen Mitglieder selbst. Mich hat die Geschichte immens gefesselt und beschäftigt.