Die entfremdete Familie
Wann haben wir einander aufgehört zuzuhören? Wann haben wir einander verloren?
Als Olle Edmans plötzlich stirbt, müsse die drei Geschwister Andrea, Ulrika und Rasmus sich nicht nur ihrer eigenen Trauer um den Vater stellen, sondern auch ihren Beziehungen zueinander. Denn der Verlust bringt die bisherigen Dynamiken der Familie zum Vorschein und mit ihnen die Erwartungen aneinander und die schon lang schwelenden Vorwürfe. Da ist Andrea, die Papas Liebling war und sich um alles, besonders aber ihre Tochter Liv sorgt. Ulrika, die immer eine enge Bindung zur Mutter hatte und versucht, ihr Leben in ruhige Bahnen zu lenken. Und Rasmus, der Nachzügler, immer irgendwie da, aber doch in seiner eigenen, ihn schützenden Welt unterwegs. Und natürlich Mutter Lotten, die den Verlust verarbeiten muss – aber auch ein belastendes Kapitel der Familiengeschichte.
"Geschwister" erzählt eine facettenreiche Familiengeschichte, die deutlich macht, dass die Wahrheit in jeder Perspektive steckt, die einander aber nicht offen geteilt werden. Genau diesem Verstrickung aus nicht ausgesprochenen Erwartungen, Vorwürfen und jahrzehntelang verschwiegenen Geheimnissen, widmet sich Moa Herngren mit liebevoll beschriebenen Figuren und Situationen, die so oder so ähnlich in jeder Familie stattfinden könnten. Ein bisschen führt Herngren den Leser:innen also auch den Spiegel vor, um das eigene Verhalten im familiären Kontext zu reflektieren und zu überdenken.
Für mich hat Herngren in "Geschwister" die Thematik um familiäre Konflikte, Vertrauensbrüche und dysfunktionale Kommunikation sehr gut und miterlebbar eingefangen. Ich mochte die vielen Dialoge und den Perspektivenwechsel, auch wenn ich mir den schon früher und ausgeglichener gewünscht hätte. Insgesamt denke ich, dass sich die Geschichte auch auf weniger Seiten hätte erzählen lassen.
Das Cover hat für mich besonders im Kontext der immer wieder thematisierten Familienfotos aus vergangenen Zeiten sehr gut zur Geschichte gepasst, deren Übersetzung durch Katharina Martl aus dem Schwedischen ich ebenfalls sehr gelungen fand. Insgesamt ein wirklich schön geschriebenes, wenn auch trauriges Buch, das aber immer wieder von humorvollen und leicht überspitzen Dialogen und Situationen lebt. Wer Familienromane liebt, wie etwa "Hallo, du Schöne" von Ann Napolitano, wird auch mit "Geschwister" eine gute Zeit haben.
Als Olle Edmans plötzlich stirbt, müsse die drei Geschwister Andrea, Ulrika und Rasmus sich nicht nur ihrer eigenen Trauer um den Vater stellen, sondern auch ihren Beziehungen zueinander. Denn der Verlust bringt die bisherigen Dynamiken der Familie zum Vorschein und mit ihnen die Erwartungen aneinander und die schon lang schwelenden Vorwürfe. Da ist Andrea, die Papas Liebling war und sich um alles, besonders aber ihre Tochter Liv sorgt. Ulrika, die immer eine enge Bindung zur Mutter hatte und versucht, ihr Leben in ruhige Bahnen zu lenken. Und Rasmus, der Nachzügler, immer irgendwie da, aber doch in seiner eigenen, ihn schützenden Welt unterwegs. Und natürlich Mutter Lotten, die den Verlust verarbeiten muss – aber auch ein belastendes Kapitel der Familiengeschichte.
"Geschwister" erzählt eine facettenreiche Familiengeschichte, die deutlich macht, dass die Wahrheit in jeder Perspektive steckt, die einander aber nicht offen geteilt werden. Genau diesem Verstrickung aus nicht ausgesprochenen Erwartungen, Vorwürfen und jahrzehntelang verschwiegenen Geheimnissen, widmet sich Moa Herngren mit liebevoll beschriebenen Figuren und Situationen, die so oder so ähnlich in jeder Familie stattfinden könnten. Ein bisschen führt Herngren den Leser:innen also auch den Spiegel vor, um das eigene Verhalten im familiären Kontext zu reflektieren und zu überdenken.
Für mich hat Herngren in "Geschwister" die Thematik um familiäre Konflikte, Vertrauensbrüche und dysfunktionale Kommunikation sehr gut und miterlebbar eingefangen. Ich mochte die vielen Dialoge und den Perspektivenwechsel, auch wenn ich mir den schon früher und ausgeglichener gewünscht hätte. Insgesamt denke ich, dass sich die Geschichte auch auf weniger Seiten hätte erzählen lassen.
Das Cover hat für mich besonders im Kontext der immer wieder thematisierten Familienfotos aus vergangenen Zeiten sehr gut zur Geschichte gepasst, deren Übersetzung durch Katharina Martl aus dem Schwedischen ich ebenfalls sehr gelungen fand. Insgesamt ein wirklich schön geschriebenes, wenn auch trauriges Buch, das aber immer wieder von humorvollen und leicht überspitzen Dialogen und Situationen lebt. Wer Familienromane liebt, wie etwa "Hallo, du Schöne" von Ann Napolitano, wird auch mit "Geschwister" eine gute Zeit haben.