Was ist passiert?

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
manuela1511 Avatar

Von

Die Geschichte beginnt mit einer Beerdigung. Vermutlich ist es die der Mutter, sicher ist man sich am Anfang aber noch nicht. Gleichzeitig erfährt man, dass eines der Geschwister eine Anzeige der Polizei in der Tasche hat. Während sich die Familiengeschichte nach und nach entfaltet wird deutlich, wie unterschiedlich die drei Geschwister ihre Kindheit und ihre Eltern erlebt haben. Erzählt wird aus der Sicht aller drei Geschwister. Besonders intensiv habe ich dabei Andrea, die mittlere Schwester, wahrgenommen. Sie hat ihren Vater sehr geliebt und ich hatte beim Lesen oft das Gefühl, dass sie ihn idealisiert. Vieles, was innerhalb der Familie passierte, hat sie ganz anders wahrgenommen als ihre Geschwister. Gleichzeitig leidet sie darunter, dass ihre ältere Schwester der Mutter immer besonders nahe stand.
Doch auch Ulrika, die ältere Schwester und Rasmus, der Jüngste, bekommen ihre eigene Stimme. Nach und nach erfährt welche Spuren die Kindheit bei ihnen hinterlassen hat. Dabei verändert sich das Bild der Familie immer wieder, denn jeder erinnert sich anders. Was einer vielleicht gar nicht wahrgenommen hat, prägte die anderen über Jahre.
Gerade diese unterschiedlichen Perspektiven fand ich sehr interessant. Drei Geschwister wachsen miteinander auf und erleben doch nicht dieselbe Kindheit. Die Eltern begegnen ihren Kindern auch auf unterschiedliche Weise und vieles bleibt lange unausgesprochen. Im Laufe der Geschichte wird immer deutlicher, wie sehr alte Rollen, Schuldgefühle, Erwartungen und Verletzungen das spätere Leben beeinflussen können.
Für das Buch musste ich mir Zeit nehmen. Die Autorin beschreibt vieles sehr ausführlich und geht tief auf ihre Figuren ein. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass sich einzelne Passagen etwas ziehen. Gleichzeitig ist genau diese Ausführlichkeit der Grund, warum die Figuren so lebendig wirken und ihre Beziehungen nachvollziehbar werden.
Die Geschichte hat über weite Strecken eine eher schwere, teilweise bedrückende Stimmung. Immer wieder kommen neue Konflikte, Verletzungen und lange Verdrängtes zum Vorschein. Es gibt nur wenige Momente, in denen die Handlung etwas leichter wird. Gerade dadurch hatte ich beim Lesen oft das Gefühl, wie sehr diese Familie von ihrer Vergangenheit und von Dingen geprägt ist, über die viel zu lange nicht gesprochen wurde.
Es ist kein Buch, das man einfach nebenbei liest. Man muss sich darauf einlassen. Dann aber bekommt man eine Familiengeschichte, die einen auch nach der letzten Seite noch eine Weile begleitet.