Wenn Nähe zur Täuschung wird und jede Perspektive eine neue Wahrheit eröffnet
Dieses Buch hat mich vor allem mit seiner Konstruktion beeindruckt. Selten habe ich eine Geschichte gelesen, die so eindrücklich vor Augen führt, wie begrenzt die eigene Wahrnehmung bleibt. Selbst dann, wenn man überzeugt ist, einen Menschen verstanden zu haben.
Über weite Strecken entsteht eine enorme Nähe zur Protagonistin. Ihre Verletzungen, ihre Gedanken, ihre Empfindungen wirken nachvollziehbar und unmittelbar. Man liest nicht nur mit, man nimmt Partei. Man ärgert sich, wird wütend, empfindet Ungerechtigkeit und beginnt unbewusst, die Welt ausschließlich durch ihren Blick zu betrachten.
Und dann verschiebt sich etwas.
Mit den Perspektiven der Geschwister beginnt das Buch, sich neu zu schreiben. Nicht, weil frühere Gefühle falsch gewesen wären, sondern weil sie unvollständig waren. Menschen, die zuvor eindeutig erschienen, gewinnen plötzlich Brüche, andere Motive, andere Erinnerungen. Auch die Protagonistin selbst verändert sich nicht und wirkt gleichzeitig wie ein völlig anderer Mensch. Dieser Moment des Lesens war für mich der stärkste Teil des Buches: das Erkennen, wie schnell man sich selbst beim Urteilen auf nur eine Erzählung verlässt.
Besonders gelungen fand ich dabei die Darstellung von Familiengeschichte. Erinnerungen erscheinen nicht als objektive Wahrheit, sondern als etwas, das durch Nähe, Wissen, Schweigen und unterschiedliche Erfahrungen geprägt wird. Ein gemeinsames Familienleben existiert und dennoch erlebt jedes Kind eine andere Kindheit.
Das Buch zeigt sehr fein, wie tief Kindheitserfahrungen in das spätere Leben hineinwirken können. Nicht plakativ, nicht erklärend, sondern in den unterschiedlichen Wegen, wie Menschen mit Erlebtem umgehen, was sie erinnern, verdrängen oder daraus machen.
Ein Roman, der nicht nur von Geschwistern erzählt, sondern davon, wie fragil unsere Urteile über andere, und manchmal auch über uns selbst, sind.
Über weite Strecken entsteht eine enorme Nähe zur Protagonistin. Ihre Verletzungen, ihre Gedanken, ihre Empfindungen wirken nachvollziehbar und unmittelbar. Man liest nicht nur mit, man nimmt Partei. Man ärgert sich, wird wütend, empfindet Ungerechtigkeit und beginnt unbewusst, die Welt ausschließlich durch ihren Blick zu betrachten.
Und dann verschiebt sich etwas.
Mit den Perspektiven der Geschwister beginnt das Buch, sich neu zu schreiben. Nicht, weil frühere Gefühle falsch gewesen wären, sondern weil sie unvollständig waren. Menschen, die zuvor eindeutig erschienen, gewinnen plötzlich Brüche, andere Motive, andere Erinnerungen. Auch die Protagonistin selbst verändert sich nicht und wirkt gleichzeitig wie ein völlig anderer Mensch. Dieser Moment des Lesens war für mich der stärkste Teil des Buches: das Erkennen, wie schnell man sich selbst beim Urteilen auf nur eine Erzählung verlässt.
Besonders gelungen fand ich dabei die Darstellung von Familiengeschichte. Erinnerungen erscheinen nicht als objektive Wahrheit, sondern als etwas, das durch Nähe, Wissen, Schweigen und unterschiedliche Erfahrungen geprägt wird. Ein gemeinsames Familienleben existiert und dennoch erlebt jedes Kind eine andere Kindheit.
Das Buch zeigt sehr fein, wie tief Kindheitserfahrungen in das spätere Leben hineinwirken können. Nicht plakativ, nicht erklärend, sondern in den unterschiedlichen Wegen, wie Menschen mit Erlebtem umgehen, was sie erinnern, verdrängen oder daraus machen.
Ein Roman, der nicht nur von Geschwistern erzählt, sondern davon, wie fragil unsere Urteile über andere, und manchmal auch über uns selbst, sind.