Ein toller Ratgeber

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meli_sun Avatar

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Als Mutter/Vater von zwei Kindern, die sich innerhalb von fünf Minuten innig lieben und im nächsten Moment um ein einziges Lego‑Teil streiten, habe ich schon viele Ratgeber in der Hand gehabt. Aber Geschwisterkinder von Martina Stotz hat mich auf eine Weise abgeholt, die ich so nicht erwartet hätte.

Schon auf den ersten Seiten hatte ich das Gefühl, dass sie genau weiß, wie es bei uns zu Hause aussieht: das ewige „Ich war zuerst!“, das Drama um das Lieblingskuscheltier, und dieses nagende Gefühl, ob man wirklich beiden Kindern gerecht wird. Ich habe mich sofort verstanden gefühlt.

Eine Szene aus unserem Alltag kam mir beim Lesen immer wieder in den Sinn:
Neulich stritten meine beiden heftig darüber, wer den letzten Pfannkuchen bekommt. Es war laut, es war chaotisch, und ich war kurz davor, einfach selbst den Pfannkuchen zu essen, um den Frieden wiederherzustellen. Genau solche Momente beschreibt Stotz — und sie zeigt Wege, wie man sie nicht nur „übersteht“, sondern sogar nutzen kann, um die Beziehung zwischen den Kindern zu stärken.

Was mir besonders gefallen hat:

Die Rollenspiele: Ich habe tatsächlich eines ausprobiert, bei dem jedes Kind einmal die Perspektive des anderen einnimmt. Ich war überrascht, wie ernsthaft sie das gemacht haben — und wie viel Verständnis plötzlich da war.

Die alltagstauglichen Tipps: Keine theoretischen Konstrukte, sondern Dinge, die man wirklich zwischen Frühstückschaos und Abendroutine anwenden kann.

Die einfühlsame Sprache: Ich fühlte mich nie belehrt, sondern begleitet.

Die Forschungsergebnisse, die sie einbettet, ohne dass es trocken wird.

Seit ich das Buch gelesen habe, gehe ich Konflikte zwischen meinen Kindern anders an. Nicht perfekt — aber bewusster, ruhiger und mit mehr Vertrauen darauf, dass Streit nicht das Gegenteil von Geschwisterliebe ist, sondern ein Teil davon.

Für mich ist Geschwisterkinder ein Buch, das man nicht nur liest, sondern im Alltag immer wieder zur Hand nimmt. Es hat mir geholfen, meine Kinder besser zu verstehen — und ihnen zu helfen, einander besser zu verstehen.