Best Friends Forever?

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Alice Horackovas Familiensaga „Geteiltes Haus“ ist ein echter Hammer, auf über 700 Seiten wird die Familiengeschichte der Autorin aufbereitet. Dafür hat sie akribisch recherchiert und man erkennt die solide historische Basis.
Im Zentrum stehen die beiden Freundinnen Zdenka und Anezka, die im Sudetendorf Benetzko im Riesengebirge aufwachsen. Das Besondere an diesem Ort ist, dass sowohl deutsche als auch tschechische Bewohner gemeinsam und friedlich dort miteinander leben. Es beginnt in der österreichisch-ungarischen K & K - Monarchie, führt zum ersten Weltkrieg, zur ersten tschechoslowakischen Republik, zur zweiten Republik, zum zweiten Weltkrieg und endet in der dritten Republik 1948. Die Vertreibung, der Deutschen nach 45 steht am Ende und die beiden Freundinnen erleben das unterschiedliche Schicksal als Deutsche, als Tschechin und wir erleben die jeweilige Perspektive.
Ein interessanter Roman, der die Problematik des Sudetenlandes in dem geteilten Dorf aufzeigt und anhand der unterschiedlichen Charaktere verschiedene Verhaltensmuster und Lebenswege aufzeigt.
Die 700 Seiten lesen sich schnell und flüssig und man fiebert bei Liebeleien, Hochzeiten, Geburten, beruflichen Veränderungen, Streitereien, Konflikten und Rivalitäten mit. Die Armut einzelner wird deutlich gezeigt, der langsame Aufstieg, das Verhalten im Krieg, die Kollaboration mit den Nazis, Schuld und persönliches Versagen und das schreckliche Ende einzelner.
Chronologisch wird die Geschichte erzählt, die Sprache ist durch dialektale Einschübe geprägt, birgt aber keine Überraschungen. Der ausufernde Erzählstil lässt die Geschichte auf der einen Seite lebendig werden, auf der anderen Seite ist der Roman allerdings auch etwas langatmig und Kürzungen hätten ihm gut getan.
Durchaus lesenswert, besonders für Leser, die sich für das Sudetenland und die Politik zwischen den beiden Weltkriegen interessieren.