Bewegende Familiengeschichte aus den Sudeten
„Geteilte Haus“ ist wahrlich keine leichte Lektüre. Auf über 700 Seiten erzählt die Autorin ihre Familiengeschichte aus dem tschechisch-deutschen Dorf Benetzko - vom Ende der K.-u.-k.-Monarchie über die Weltkriege und tschechische Republiken bis zur Vertreibung der Sudetendeutschen. Und was das für eine Familiengeschichte ist! Die Charaktere sind Wilderer, Liebhaber, Hitzköpfe, Widerständler, tatkräftige Frauen und so vieles mehr und sie stehen einem beim Lesen lebhaft vor Augen. Ich fand es unglaublich spannend, wie sie diese Zeiten der regelmäßigen Umbrüche durchleben, in denen mal die Deutschen, mal die Tschechen den Ton abgeben. Trotz des schweren Themas gelingt es der Autorin, dass man mit den kauzigen Figuren mitfiebert, ihnen selbst in die dunkelsten Hinterzimmer folgt und sich immer wieder fragt, was man selber wohl getan hätte unter diesen Umständen. Ich habe ihren trockenen, knappen und doch so ausdrucksstarken Stil geliebt und kann das Buch nur jedem empfehlen, der nicht allzu zart besaitet ist.