Ein paar Höhen, viele Tiefen

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fruchtpilz Avatar

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Worum geht es?
Der Roman erzählt die Geschichte verschiedener Figuren – überwiegend aus zwei Familien, die im tschechischen Riesengebirge leben. Wir begleiten mehrere Generationen durch den politischen Wandel: von der K.-u.-k.-Monarchie über die beiden Weltkriege bis hin zur Dritten Republik.

Das Cover:
Mir persönlich gefällt das Cover nicht besonders. Selbst nach dem Lesen des Buches kann ich nicht mit Sicherheit sagen, welche der beiden weiblichen Hauptfiguren darauf dargestellt sein soll. Eine stimmungsvolle Abbildung des tschechischen Riesengebirges hätte ich passender gefunden, da die Landschaft im Roman immer wieder eine wichtige Rolle spielt bzw. häufig beschrieben wird.

Zusätzliche Angaben:
Die Autorin wurde in Prag geboren. Geteiltes Haus ist ihr erster Roman, der ins Deutsche übersetzt wurde. In die Handlung sind zahlreiche wahre Begebenheiten eingeflossen.

Charaktere und Inhalt:
Im Buch begegnen uns zahlreiche Figuren. Einige stehen klar im Mittelpunkt – allen voran die beiden Frauen Anežka und Zdenka, während andere lediglich in kleineren Nebenhandlungen auftauchen.

Für mich blieben viele Charaktere eher blass. Das lag vor allem daran, dass häufig konkrete Zeitangaben fehlten. Zwar konnte ich anhand historischer Ereignisse oder gelegentlicher Datumsnennungen oft einordnen, in welchem Jahr die Handlung spielte, das Alter der Figuren blieb jedoch meist unklar. Dadurch fiel es mir schwer, ihre Entwicklung nachzuvollziehen. Hinzu kamen diverse Zeitsprünge in denen unklar blieb, was zwischen Figuren passiert ist/nicht passiert ist. Des weiteren entschieden viele Figuren für mich völlig irrational, sodass mich die zwischenmenschlichen Beziehungen nicht packen konnten.

Laut Klappentext steht insbesondere die enge Freundschaft zwischen den beiden weiblichen Hauptfiguren über die Zeit im Mittelpunkt. Für mich wurde diese allerdings kaum greifbar. Das lag zum einen an den zahlreichen Zeitsprüngen, durch die wichtige Entwicklungen ausgelassen wurden, und zum anderen an den teilweise sehr ausufernden Nebenhandlungen. Hinzu kamen Ereignisse, die für mich wenig glaubhaft erscheinen ließen, dass diese so gute Freundschaft dauerhaft Bestand haben konnte.

Die ersten rund 350 Seiten empfand ich als sehr zäh und stellenweise langweilig. Zwar sind die Kapitel kurz, sie wirkten auf mich jedoch teilweise recht zusammenhanglos aneinandergereiht und enthielten Szenen, die ich persönlich als wenig relevant empfunden habe. Ein guter Lesefluss stellte sich bei mir nicht ein.

Ebenfalls negativ aufgefallen sind mir die zahlreichen Beschreibungen sexueller Kontakte. Meiner Meinung nach hätte das Buch zu Beginn eine Triggerwarnung verdient, insbesondere aufgrund der Darstellung von nicht einvernehmlichen/fragwürdigen (Involvierung von eventuell Minderjährigen) sexuellen Handlungen.

Spannung kam für mich insgesamt nur selten auf. Erst gegen Ende interessierte mich, welchen persönlichen Ausgang die einzelnen Figuren nach dem Zweiten Weltkrieg nehmen würden.

Positiv hervorheben möchte ich jedoch, dass ich durch das Buch viel über die regionale Geschichte, insbesondere über die der Sudetendeutschen, erfahren habe. Außerdem empfand ich die Lebensbedingungen der Menschen zu Beginn des 20. Jahrhunderts als authentisch und anschaulich dargestellt.

Fazit:
Für mich persönlich war der Roman leider nichts. Allerdings gehören Familienromane auch nicht zu meinen bevorzugten Genres. Wer dieses Genre gerne liest, könnte dennoch Gefallen an dem Buch finden – nicht zuletzt wegen des ungewöhnlichen Settings und des historischen Hintergrunds.