Etwas sperrige Familiensaga

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melb2508 Avatar

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Geteiltes Haus ist eine Familiensaga, die sich von der K.-u.-k.-Monarchie bis zur Dritten Republik 1948 im Riesengebirge abspielt. Der umfangreiche Roman spielt also in einer Region, die sowohl Tschechisch als auch Deutsch war mit allem, was dazu gehört - so haben die Menschen teilweise 2 Namen, je nachdem, mit wem sie sprechen oder wie sie wahrgenommen werden wollen. Sie sprechen tschechisch und deutsch, bevorzugen vielleicht eine der beiden Sprachen und Identitäten, oder sie entscheiden sich zu einer Zugehörigkeit, weil es in bestimmten politischen Situationen sicherer ist.
Normalerweise lese ich auch gerne mal lange Romane. Auch der geschichtliche und geographische Hintergrund hat mich sehr interessiert und fesselt mich gewöhnlich sehr. Leider hat mich dieses Buch aber nicht abgeholt.
Die Protagonisten sind leider einfach viel zu viele und ich konnte zu keiner der Figuren so richtig einen Draht aufbauen. Vor allem die beiden im Vordergrund stehenden Frauen Zdenka und Anezka haben mich in dieser Hinsicht sehr enttäuscht. Ihre Gefühle bleiben für mich nicht nachvollziehbar und distanziert. Warum sie wen lieben, wenn überhaupt, bleibt für mich oft vollkommen unklar, selbst vor dem Hintergrund, wie Frauen damals sozialisiert wurden.
Auch das Umfeld und die anderen Figuren bleiben blass, sind aber dennoch oft brutal und herzlos. Gewalt in Familien ist üblich, Untreue unter Eheleuten ebenfalls. Auch sterben ständig Figuren, teilweise als Baby oder Kleinkind, teilweise im Krieg, doch selbst das hat mich leider nicht erreicht, weil einfach keine Nähe aufgebaut wurde - weder zu den Toten, noch zu deren eigentlich trauernde Angehörige. Oft wurde auch nur in einem Nebensatz erwähnt, dass das Baby "wieder" direkt nach der Geburt gestorben sei - und kein Wort zu den Gefühlen der Mutter!
Alles in allem bin ich leider nicht überzeugt von dem Roman und habe mich ab dem Mittelteil eher durch gequält und war froh, als ich durch war.
Viele Dialoge und kleine Stellen waren mir einfach zu viel und im Grunde für den Erzählfluss auch störend.
Leider nur eine eingeschränkte Leseempfehlung von mir.