Historische Familiengeschichte
Alice Horáčkovás „Geteiltes Haus“ ist ein beeindruckendes Familienepos, das auf mehr als 800 Seiten die Geschichte eines kleinen Dorfes im Riesengebirge mit den großen politischen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts verbindet. In Benecko leben Tschechen und Deutschsprachige über Generationen hinweg zusammen, heiraten untereinander und wechseln selbstverständlich zwischen den Sprachen. Doch mit dem Erstarken des Nationalismus und des Nationalsozialismus bekommt dieses gemeinsame „Haus“ immer tiefere Risse.
Im Mittelpunkt stehen die Freundinnen Zdenka und Anežka, deren Lebenswege über Jahrzehnte eng miteinander verbunden bleiben. Ihre Familien sind durch Freundschaften, Ehen, Affären und Kinder miteinander verflochten. Gerade diese persönlichen Beziehungen zeigen eindrucksvoll, wie wenig sich die Menschen in die später so scharf gezogenen Kategorien „Tscheche“ und „Deutscher“ einordnen lassen.
Die große Stärke des Romans liegt für mich in seiner Vielperspektivität. Zahlreiche Figuren erzählen ihre eigene Geschichte, wodurch die historischen Ereignisse sehr persönlich und greifbar werden. Erster Weltkrieg, Zwischenkriegszeit, Nationalsozialismus, deutsche Besatzung und schließlich die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung werden nicht nur als historische Ereignisse beschrieben, sondern anhand konkreter Schicksale erlebbar gemacht. Dabei zeigt der Roman auch unterschiedliche Formen von Schuld, Mitläufertum, Opportunismus, Widerstand und Menschlichkeit.
Besonders eindringlich ist der Bruch nach dem Zweiten Weltkrieg: Aus dem über Generationen gewachsenen Zusammenleben wird ein Gegeneinander. Die deutschsprachigen Bewohner verlieren ihre Heimat und ihren Besitz und werden vertrieben. Horáčková macht dabei deutlich, wie sehr politische Ideologien und nationale Zuschreibungen zuvor gewachsene Beziehungen zerstören können.
Trotz seines enormen Umfangs liest sich das Buch dank der kurzen Kapitel und der lebendigen Erzählweise erstaunlich flüssig. Die große Zahl an Figuren ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, doch das Personenverzeichnis hilft bei der Orientierung.
Besonders interessant ist der autobiografische Hintergrund: Alice Horáčková stieß bei der Recherche zu ihrer eigenen Familiengeschichte auf ihre tschechisch-deutschen Wurzeln und auf Angehörige, die nach dem Krieg vertrieben wurden. Aus Archivrecherchen und familiären Überlieferungen entstand so eine fiktionalisierte Familiengeschichte mit engem Bezug zur realen Geschichte.
„Geteiltes Haus“ verbindet eine spannende Familiensaga mit einem eindringlichen Zeitporträt. Ein lesenswertes Buch für alle, die große Familiengeschichten mögen und sich für die deutsch-tschechische Geschichte und die Folgen von Nationalismus und Krieg interessieren.
Im Mittelpunkt stehen die Freundinnen Zdenka und Anežka, deren Lebenswege über Jahrzehnte eng miteinander verbunden bleiben. Ihre Familien sind durch Freundschaften, Ehen, Affären und Kinder miteinander verflochten. Gerade diese persönlichen Beziehungen zeigen eindrucksvoll, wie wenig sich die Menschen in die später so scharf gezogenen Kategorien „Tscheche“ und „Deutscher“ einordnen lassen.
Die große Stärke des Romans liegt für mich in seiner Vielperspektivität. Zahlreiche Figuren erzählen ihre eigene Geschichte, wodurch die historischen Ereignisse sehr persönlich und greifbar werden. Erster Weltkrieg, Zwischenkriegszeit, Nationalsozialismus, deutsche Besatzung und schließlich die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung werden nicht nur als historische Ereignisse beschrieben, sondern anhand konkreter Schicksale erlebbar gemacht. Dabei zeigt der Roman auch unterschiedliche Formen von Schuld, Mitläufertum, Opportunismus, Widerstand und Menschlichkeit.
Besonders eindringlich ist der Bruch nach dem Zweiten Weltkrieg: Aus dem über Generationen gewachsenen Zusammenleben wird ein Gegeneinander. Die deutschsprachigen Bewohner verlieren ihre Heimat und ihren Besitz und werden vertrieben. Horáčková macht dabei deutlich, wie sehr politische Ideologien und nationale Zuschreibungen zuvor gewachsene Beziehungen zerstören können.
Trotz seines enormen Umfangs liest sich das Buch dank der kurzen Kapitel und der lebendigen Erzählweise erstaunlich flüssig. Die große Zahl an Figuren ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, doch das Personenverzeichnis hilft bei der Orientierung.
Besonders interessant ist der autobiografische Hintergrund: Alice Horáčková stieß bei der Recherche zu ihrer eigenen Familiengeschichte auf ihre tschechisch-deutschen Wurzeln und auf Angehörige, die nach dem Krieg vertrieben wurden. Aus Archivrecherchen und familiären Überlieferungen entstand so eine fiktionalisierte Familiengeschichte mit engem Bezug zur realen Geschichte.
„Geteiltes Haus“ verbindet eine spannende Familiensaga mit einem eindringlichen Zeitporträt. Ein lesenswertes Buch für alle, die große Familiengeschichten mögen und sich für die deutsch-tschechische Geschichte und die Folgen von Nationalismus und Krieg interessieren.