In diesem Roman steckt auch ein Teil meiner eigenen Familiengeschichte

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dana09 Avatar

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Da die Familie meines Vaters aus dem Sudetenland stammt und nach dem 2. Weltkrieg vertrieben wurde, hat „Geteiltes Haus“ mein Interesse geweckt.
Der Prolog wäre genau so von meiner Oma oder meiner Tante geschrieben worden. Auch sie (mein Vater war damals erst 10 Jahre alt) fühlten sich in dem kleinen Dorf in Oberbayern keinesfalls willkommen und lange unwohl.
Aus den Erzählungen meiner Oma weiß ich, dass das Zusammenleben zwischen Deutschen und Tschechen auch vorher nicht immer einfach und konfliktlos war.
Vor diesem Hintergrund erzählt Alice Horáčková ihre Geschichte vom Leben und Miteinander der Bewohner des höchstgelegenen tschechischen Dorfes. Dabei gelingt es ihr, persönliche Erlebnisse mit politischen und historischen Ereignissen zu verbinden. Beim Lesen hatte ich immer wieder das Gefühl, dass meine Familiengeschichte sehr ähnlich ist. Kurioserweise trägt die kleine Dolfi den Namen meiner Großmutter: Adolfine.
Man merkt dem Buch an, dass die Autorin großen Wert auf die Ausarbeitung ihrer Figuren gelegt hat. Durch detaillierte und einfühlsame Beschreibungen werden sämtliche Charaktere greifbar und zum Leben erweckt. Auch das kleine Dorf ist so anschaulich und bildhaft geschildert, dass es vor meinem inneren Auge entsteht.
Diese tiefgründige und atmosphärische Familiengeschichte konnte mich von Anfang an fesseln und begeistern. Die komplexen Verbindungen zwischen Politik, Historie und persönlicher Biografie einer Familie sind gelungen und fügen sich zu einem bemerkenswerten Gesamtwerk zusammen.
Trotz der ca. 730 Seiten und der (leider) ziemlich kleinen Schrift konnte ich das Buch nur schwer aus der Hand legen.
Neben der kleinen Schrift ist mein einziger Kritikpunkt, dass ich mir manchmal einen ruhigeren Lesefluss gewünscht hätte. Die Sprünge zwischen Vergangenheit und Gegenwart sowie den verschiedenen Personen und Handlungen bringen Unruhe beim Lesen. Dieser Eindruck hat aber keinen negativen Einfluss auf meine Bewertung.
„Geteiltes Haus“ ist für mich eine klare Leseempfehlung für alle, die facettenreiche Familiensagas vor historischem Hintergrund lieben.
Da mir dieses Buch viele interessante und angenehme Lesestunden geschenkt hat, bekommt es von mir die Höchstwertung.